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Ist die betriebliche Altersvorsorge Pflicht für Arbeitgeber?

|Lesezeit 7 MIN

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung für Arbeitnehmer nicht verpflichtend. Doch sie kann als eine wichtige Säule der Altersversorgung die gesetzliche Rentenversicherung sinnvoll ergänzen. Wir zeigen dir, worum es bei der bAV geht, welche Vor- und Nachteile sie hat und worauf du dabei achten solltest. 

Was ist die die betriebliche Altersvorsorge? 

Die betriebliche Altersvorsorge ist neben der gesetzlichen Rentenversicherung und der privaten Altersvorsorge eine der drei Säulen der Altersvorsorgen im deutschen Rentensystem. Sie kann dir dabei helfen, Altersarmut zu vermeiden. Denn die gesetzliche Rente wird auch bei einer hohen Anzahl an Beitragsjahren höchstwahrscheinlich trotzdem nicht zum Erhalt deines bisherigen Lebensstandards ausreichen. 

Habe ich einen Rechtsanspruch auf betriebliche Altersvorsorge?

Seit 2018 ist der Arbeitgeber laut Betriebsrentenstärkungsgesetz zum Bezuschussen der betrieblichen Altersvorsorge seiner Arbeitnehmer verpflichtet. Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer laut Betriebsrentengesetzt (BetrAVG) ohnehin das Recht auf Entgeltumwandlung für die betriebliche Altersvorsorge. 

Diese Formen der bAV gibt es

Für die betriebliche Altersvorsorge gibt es nach dem Betriebsrentengesetz fünf sogenannte „Durchführungswege“:

  • Direktzusage: In diesem Fall verpflichtet sich der Arbeitgeber, das Geld für die bAV selbst zu zahlen. Er bildet dafür Pensionsrückstellungen aus eigener Kasse und trägt die Risiken für die Pensionszusage selbst. 
  • Unterstützungskasse: Für diese bAV zahlt der Arbeitgeber Beiträge in ein Unternehmen ein, das nur für Versorgungsdienstleistungen zuständig ist. Die Rente wird später von diesem Unternehmen ausgezahlt.  
  • Direktversicherung: Diese Variante sieht vor, dass der Arbeitgeber für den Arbeitnehmer eine Lebensversicherung abschließt und in diese einzahlt, zusätzlich kann sich der Arbeitnehmer durch Entgeltumwandlung mitbeteiligen. Die Lebensversicherung hat den Vorteil, dass deine Familie im Todesfall ebenfalls abgesichert ist.
  • Pensionskasse: Bei einer Pensionskasse handelt es sich um eine Lebensversicherung, die vor allem wegfallendes Einkommen kompensiert. Der Arbeitgeber zahlt in diese für den Arbeitnehmer ein.
  • Pensionsfonds: Diese Fonds werden von Arbeitgebern gegründet, um später vereinbarte Renten an Arbeitnehmer zu zahlen.
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Was bedeutet „Entgeltumwandlung“ bei der betrieblichen Altersvorsorge?

Hinter dem sperrigen Begriff "Entgeltumwandlung" verbirgt sich das einfache Prinzip, dass ein Teil deines Einkommens direkt in die betriebliche Altersvorsorge investiert wird. Das kann den Vorteil haben, dass das Geld automatisch von deinem Lohn abgezogen wird und du somit automatisch für dein Alter vorsorgst. Du hast laut BetrAVG ein Recht auf mindestens 4 % Entgeltumwandlung für die bAV.

Welche Zusagetypen gibt es?

In der Umsetzung kann der Arbeitgeber die betriebliche Altersvorsorge als reine Leistungszusage, als beitragsorientierte Leistungszusage oder Beitragszusage mit Mindestleistung oder nur als Beitragszusage realisieren. 

Bei der Beitragszusage übernimmt der Arbeitgeber lediglich einen Teil der bAV, ohne Garantie, dass der Arbeitnehmer später die Leistung daraus erhält. Der Arbeitnehmer sagt somit nur zu, Beiträge zu entrichten, eventuelle Risiken, die die spätere Auszahlung gefährden bspw. durch Zinsen, Inflation o.ä. liegen jedoch demnach beim Arbeitnehmer. Bei der Leistungszusage wiederum garantiert der Arbeitgeber die Leistung eines vereinbarten Betrages, somit liegen hier alle Risiken beim Arbeitgeber.

Vor- und Nachteile der bAV

Vorteile: 

  • Bei einer Direktzusage erhältst du als Arbeitnehmer eine bAV, ohne dass du dafür etwas bezahlen musst.
  • Wählst du die Entgeltumwandlung, sinkt dein Bruttolohn und du musst weniger Steuern bezahlen.
  • Du hast das Recht auf eine Form der bAV.

Nachteile:

  • Du kannst die bAV nur im Rahmen der vom Arbeitgeber ermöglichten Durchführungswege nutzen.
  • Deine Rente aus der bAV wird nachgelagert besteuert. Das bedeutet, dass du im Alter den vollen Steuersatz sowie Sozialversicherungsabgaben für deine Rente bezahlen musst. 
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Was passiert mit meiner betrieblichen Altersversorgung, wenn ich den Arbeitgeber wechsle?

Unter bestimmten Umständen kannst du deine betriebliche Altersvorsorge „mitnehmen“, wenn du den Arbeitgeber wechselst. Es handelt sich dabei um sogenannte „unverfallbare Versorgungsanwartschaften“. Voraussetzungen dafür, dass die bAV bei einem Arbeitgeberwechsel nicht verfällt, sind: 

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    Deine Betriebsrente wurde ab 2005 zugesagt.

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    Die bAV erfolgt über eine Pensionskasse, eine Direktversicherung oder einen Pensionsfonds.

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    Du beantragst den Übertrag der bAV innerhalb eines Jahres, nachdem du das Arbeitsverhältnis beendet hast.

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    Der Übertragungswert, also das gesammelte Kapital bzw. der Rentenwert, liegt nicht über der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung. 

Du kannst übrigens auch bestehende Verträge der bAV mit Zustimmung deines neuen Arbeitgebers weiterführen. Das trifft zum Beispiel auf Direktversicherungen zu, in welche nur der Arbeitgeber einzahlt und für die du keine Entgeltumwandlung nutzt. 

Wann lohnt sich eine betriebliche Altersvorsorge für mich als Arbeitnehmer?

Eine betriebliche Altersvorsorge lohnt sich immer dann, wenn du selbst nichts dafür bezahlst, also dein Arbeitgeber alle Beiträge für dich ohne Entgeltumwandlung übernimmt. Denn selbst, wenn du im Rentenalter Steuern und Sozialbeiträge auf die Bezüge bezahlen musst, ist alles, was du mehr bekommst, ein Plus. 

Wenn du dich für die Entgeltumwandlung entscheidest, musst du wissen, dass du zwar zunächst Steuern sparst, aber aufgrund des niedrigeren Bruttolohns auch weniger „reguläre“ Rentenbeiträge entrichtest. Somit kann deine gesetzliche Rente durch die Entgeltumwandlung später niedriger ausfallen. Diesen Ausfall muss deine Betriebsrente erst einmal kompensieren. Dazu kommt, dass die Betriebsrente nachgelagert besteuert wird. Somit musst du später mehr Steuern als auf die gesetzliche Rente bezahlen. 

Grundsätzlich gilt also: Je höher der Anteil deines Arbeitgebers an der betrieblichen Altersvorsorge ist, desto besser. Ohne Arbeitgeberzuschuss kann sich die bAV auch als Negativgeschäft entpuppen, bei dem du mehr einzahlst als du im Ruhestand bekommst. 

Fazit

Die betriebliche Altersvorsorge ist nicht verpflichtend, kann aber unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein, vor allem dann, wenn nur der Arbeitgeber die Beiträge zahlt.  Möchtest du wissen, welche Möglichkeiten zur Altersvorsorge außer der betrieblichen Variante dir noch zur Verfügung stehen? Dann probiere doch hier unseren Rechner aus:

Rentenlücke berechnen
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Was sind die Vorteile und Nachteile beim Zinseszins?  

Das sind mögliche Vorteile des Zinseszinses:

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    Das angesparte Vermögen kann sich durch den Zinseszins deutlich schneller vergrößern als bei Geldanlagen ohne Zinseszins.

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    Langfristiger Vermögensaufbau wird durch den Zinseszins einfacher.

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    Werden erhaltene Zinsen oder Dividenden wieder mitangelegt, entfällt die Suche nach einer neuen Geldanlage für die Verwendung dieser Erträge.

Nach einiger Zeit beginnt der Zinseszins seine Wirkung zu entfalten und das Kapital vermehrt sich exponentiell. Durch diesen Effekt übertrifft eine Geldanlage mit Zinseszins in diesem Beispiel eine Anlage mit einfachem Zins deutlich.

Das sind mögliche Nachteile beim Zinseszins:

  • Bis der Zinseszins wirklich spürbar anwächst, benötigt es Geduld. Der Anlagezeitraum sollte also entsprechend mehrere Jahre betragen. Denn die Kurve beim Zinseszins verläuft exponentiell.
  • Bei einer niedrig verzinsten Geldanlage kann der Zinseszins kaum zum Tragen kommen. Das kann zum Beispiel bei einem Tagesgeld der Fall sein. Je niedriger der Zinssatz ist, desto länger dauert es bis der Zinseszinseffekt seine Wirkung entfaltet.
  • Der Zinseszins kann auch in entgegengesetzter Richtung wirken. Wer also Schulden hat, bei dem kann sich die Schuldenlast durch den Zinseszins über Jahre deutlich erhöhen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn ein Konto längere Zeit „im Dispo“ ist (also bei einem Dispokredit, der nicht ausgeglichen wird). Auch bei der Inflation kann dieser Effekt zum Tragen kommen. Mehr zum Thema Inflation findest du im nächsten Abschnitt.

Die Inflation beim Vermögensaufbau

Bei Inflation entsteht durch steigende Preise eine Geldentwertung. Wichtig zu wissen ist dabei, dass der Zinseszinseffekt auch bei der Inflation auftreten kann. Das kann dazu führen, dass die Inflation eine exponentielle Geldentwertung im Laufe mehrere Jahre zur Folge hat. Das heißt, vereinfacht ausgedrückt, dass die Geldentwertung über die Jahre viel höher ausfällt als du das zunächst erwarten würdest. Um den realen Wert deines Vermögens also zu erhalten oder zu steigern, muss die Verzinsung ebenfalls exponentiell mit Zinseszinseffekt erfolgen.

Wie kann ich mit dem Zinseszinseffekt für das Alter Vermögen aufbauen? 

 

Um bei deiner Altersvorsorge mit Hilfe des Zinseszinseffektes Vermögen aufzubauen, besteht der erste Schritt darin, dich für die geeigneten Anlageprodukte zu entscheiden. Dies können zum Beispiel sein:

  • Fondssparpläne, zum Beispiel mit Aktien 
  • Riester-Produkte
  • Rürup-Produkte
  • Lebensversicherung
  • Fondsgebundene Rentenversicherung
  • ETF-Sparplan

Wichtig ist dabei, dass du den Zeithorizont miteinbeziehst. In unserem Beispiel konntest du sehen, dass der Zinseszins große Effekte in einem Zeitraum von 20 Jahren erzielen konnte. Je länger der Zeitraum ist, desto größer kann der Zinseszinseffekt ausfallen. Frühzeitig starten lautet also das Motto.

Daher empfiehlt es sich, einen Zeithorizont von mindestens 15 und mehr Jahren für deine Altersvorsorge zu wählen.

Dadurch hast du sehr gute Chancen deutlich vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Und es zeigt, dass es Sinn machen kann, wenn du dich zusätzlich zu deiner Rentenversicherung frühzeitig aktiv um deine Altersvorsorge kümmerst. Bei einem langen Anlagezeitraum hast du zudem den Vorteil, dass du beispielsweise Schwankungen am Aktienmarkt ausgleichen kannst bzw. diese nicht so stark ins Gewicht fallen.

Wenn du verschiedene Formen der Geldanlagen zur Altersvorsorge nutzt, achte darauf jeweils auch vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Vermögensaufbau in verschiedenen Anlageformen ist allerdings sehr sinnvoll, da so das Risiko breiter gestreut wird. Infos zu den verschiedenen Möglichkeiten haben wir in einem separaten Artikel zusammengestellt. 

Fazit und Ausblick 

Wie du in diesem Artikel erfahren konntest, kann der Zinseszinseffekt einen großen Einfluss auf langfristige Geldanlagen haben. Das kann auch auf die Altersvorsorge eine beträchtliche und stark positive Wirkung haben. Wir haben dargestellt, dass es Geduld und einen langfristigen Anlagehorizont erfordert, damit der Zinseszinseffekt seine volle Wirkung entfalten kann. Wird dies möglich, hat er einen großen Anteil daran, dein eingesetztes Vermöglich zu vervielfachen.

Gerade in einer langanhaltenden Niedrigzinsphase kann der Zinseszinseffekt enorm wichtig sein, um auf lange Sicht eine positive Rendite erzielen zu können. Wie du erfahren konntest, wirkt der Zinseszinseffekt nämlich auch bei der Inflation. Daher kannst du die Inflation auf lange Sicht nur schlagen, wenn dein Vermögen ebenfalls vom Zinseszins profitiert. Je früher die aktive Vorsorge fürs Alter startet, umso stärker kann der Zinseszinseffekt wirken. 

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Was genau ist eine Rente?

Unter dem Begriff Rente ist in der Regel eine wiederkehrende Zahlung zu verstehen, die monatlich gezahlt wird, nachdem Du aus dem Arbeitsleben ausscheidest oder nicht mehr arbeiten kannst. 

Die erste Säule: Die gesetzliche Rente

Den Kern der Altersvorsorge stellt in Deutschland die gesetzliche Rentenversicherung dar. Die gesetzliche Rente wird in der Regel von den Arbeitnehmern finanziert. Vom Bruttolohn wird ein bestimmter Beitrag abgezogen und an die Krankenkasse des Versicherten übermittelt. Die Krankenkasse wiederum reicht die Beiträge dann an die Deutsche Rentenversicherung weiter. Der Arbeitgeber muss zusätzlich die gleiche Summe leisten und als Beitrag für jeden Arbeitnehmer abführen.

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Die Funktionsweise der gesetzlichen Rente:

Wichtig zu wissen ist, dass die gesetzliche Rentenversicherung ein Umlageverfahren ist. Das bedeutet, vereinfacht ausgedrückt, dass die derzeit arbeitenden Versicherten Beiträge einzahlen. Diese werden dann eins zu eins an die aktuellen Rentner ausbezahlt. Gehen diese – aktuell arbeitenden – Versicherten in der Zukunft dann in Ruhestand, so soll die nächste Generation von Beitragszahlern für die Rente dieser aufkommen. Dies wird auch als sogenannter Generationenvertrag bezeichnet.

Die zweite Säule: Die betriebliche Altersvorsorge

Neben der gesetzlichen Rente gibt es die Möglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Hier kannst du dir merken, dass es zahlreiche Varianten der bAV gibt. Im Allgemeinen handelt es sich dabei um finanzielle Leistungen, die ein Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer bereitstellt.

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Gut zu wissen:

In Deutschland wird per Gesetz jedem Arbeitnehmer ein Rechtsanspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge gewährt (vgl. § 1a BetrAVG). Dieser Anspruch kann in der Umwandlung des Gehaltes zur Verwendung für die bAV bestehen. Dies kann für den Arbeitnehmer Steuervorteile und weniger Beiträge für die Sozialversicherung bedeuten.

Weitere Infos mit welchen Möglichkeiten du bei der betrieblichen Altersvorsorge hast, findest du hier.

Die dritte Säule: Die private Altersvorsorge

Unter dem Begriff private Altersvorsorge werden verschiedene Formen der Altersvorsorge verstanden. Sie kann als Ergänzung zu den anderen beiden Säulen des Rentensystems dienen.

Beispiele für Formen der privaten Altersvorsorge sind:

  • Sparpläne (z.B. Aktienfonds)
  • Lebensversicherungen
  • Fondsgebundene Rentenversicherungen 
  • Klassische Rentenversicherung
  • Rürup-Rente
  • Riester-Rente
  • Sofort-Rente
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Wichtig zu wissen:

Bei der dritten Säule musst du selbst aktiv werden, denn hier fließen Beiträge nicht automatisch ein.

Gerade die dritte Säule kann bei einem sinkenden Rentenniveau sehr wichtig werden für deine Altersvorsorge. Denn wer die dritte Säule der Altersvorsorge vernachlässigt, muss im schlimmsten Fall mit einer sehr geringen Rente auskommen, die kaum ausreichen könnte, um alle Kosten des Lebensunterhalts zu decken.

Weitere Infos mit welchen Möglichkeiten du deine Rentenlücke schließen kannst, findest du hier.

Die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Rentensystem in Deutschland

  • Die durchschnittliche Rentenzahlung betrug im Jahr 2017:
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Alles, was du zum Thema Altersarmut wissen musst, findest du in diesem Artikel.

  • Der Beitrag zur Rentenversicherung beträgt aktuell 18,6 % des Bruttolohns (Stand: 2019). 

In den Jahren 1997 und 1998 verzeichneten die Rentenversicherungsbeiträge Höchstwerte von 20,3 %. Seit Mitte der 1970er Jahre liegt der Beitragssatz bei 18 % oder mehr. 

  • Die Anzahl der Renten befindet sich auf einem Rekordstand: 25,66 Millionen (im Jahr 2017).

Diese Zahl zeigt, dass immer mehr Menschen in Deutschland Renten beziehen. Die demografische Entwicklung spricht ebenfalls dafür: In Deutschland leben immer mehr ältere Menschen. Hinzu kommt, dass die Lebenserwartung steigt. Fakt ist aber: Diese Renten müssen auch finanziert werden. Zu welchen Problemen das künftig führen kann, erfährst du im weiteren Verlauf des Artikels.

  • Das gesetzliche Sicherungsniveau (auch Rentenniveau genannt) der gesetzlichen Rente beträgt für das Jahr 2019 etwa 48,3 % und soll gemäß Prognose weiter sinken.

Nach Angaben des Rentenlexikons des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) ist das Rentenniveau das prozentuale Verhältnis der Nettorente eines Standardrentners (also ein Rentner mit 45 Beitragsjahren mit durchschnittlichem Einkommen) gegenüber dem jeweils aktuellen Nettogehalt eines Durchschnittsverdieners oder einer Durchschnittsverdienerin.

Die gesetzliche Rente – Wieviel erhalte ich im Alter? Wieviel zahle ich ein?

Die Rente, die du im Alter erhältst, ist abhängig von mehreren Faktoren. Diese sind unter anderem das zukünftige Rentenniveau, die Wirtschaftslage, die Höhe der Löhne und die Anzahl der Beitragszahler. Weil diese Faktoren schwanken, passt die Bundesregierung den Beitragssatz zur Rentenversicherung an. Daher kann der Beitragssatz mal kleiner und mal größer sein.

Während deiner aktiven Zeit als Arbeitnehmer sammelst du sogenannte Rentenpunkte, sobald du Beiträge für die Rentenversicherung zahlst. Dies passiert automatisch, sobald du Lohn oder Gehalt beziehst. Denn dein Arbeitgeber ist zur Abführung der Beiträge an die Rentenkasse verpflichtet. Je mehr Rentenpunkte ein Arbeitnehmer sammelt, desto höher wird tendenziell seine zukünftige Rente ausfallen. 

Die Deutsche Rentenversicherung versendet in regelmäßigen Abständen Informationsschreiben an die Beitragszahler. In diesem Schreiben wird dir angezeigt, wie hoch deine zukünftige Rente sein kann. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass es sich um Prognosewerte handelt. Wichtige Informationen rund um das Thema Renteninformation findest du hier.

Die Vorteile des deutschen Rentensystems

Nachfolgend haben wir einige Vorteile des deutschen Rentensystems zusammengetragen:

  • Kein Wertverlust bei Inflation (da das Geld der Rentenkasse nicht langfristig angelegt wird)
  • Bei genug Beitragszahlern ein dauerhaft funktionierendes Prinzip
  • Leistungen auch für Angehörige (zum Beispiel Witwenrente)

Die Nachteile des deutschen Rentensystems

  • Rentenzahlungen können sinken, wenn das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern ungünstig ausfällt. Genauer gesagt: wenn die Zahl der Rentner steigt, aber die Beitragszahler weniger werden.
  • Die eingezahlten Beiträge werden nicht für den Beitragszahler selbst angelegt und erwirtschaften somit keine Kapitalerträge. 
  • Bestimmte Personengruppen sind von der gesetzlichen Rente ausgenommen beziehungsweise müssen nicht verpflichtend in diese einzahlen. So zum Beispiel Beamte oder Selbstständige. In diesem Punkt unterscheidet sich das deutsche Rentensystem zu anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich oder der Schweiz. In Österreich fallen die Renten zum Teil höher aus, obwohl ebenfalls das Prinzip des Umlageverfahren gilt. Hier müssen jedoch unter anderem auch Selbstständige einzahlen.

Wo liegt der Unterschied zwischen Rente und Altersvorsoge? 

Wie du bereits erfahren hast, gibt es im deutschen Rentensystem einen gesetzlichen und einen freiwilligen Part. Bist du nämlich Arbeitnehmer, so wirst du kaum um die Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung herumkommen. Die zweite und dritte Säule, nämlich die betriebliche und die private Altersvorsorge, passieren jedoch nicht ohne dein Zutun. Das heißt, um dir in diesen Bereichen eine zusätzliche Rente aufzubauen, musst du aktiv werden.

Im Hinblick auf die aktuelle demografische Entwicklung, bei der es immer mehr ältere Personen (Rentner) und weniger junge (Beitragszahler) gibt, besteht das Risiko, dass deine Rente in Zukunft gering ausfällt. Im schlimmsten Fall reicht sie nicht zur Deckung aller Kosten, sodass ein Risiko für Altersarmut entsteht. Für eine solide Altersvorsorge empfiehlt es sich, dass du bei allen drei Säulen gut aufgestellt bist. Auf diese Weise kann die Rente nach dem Renteneintrittsalter auch entsprechend gut ausfallen.

Was du konkret für deine Altersvorsorge tun kannst, zeigt dir dieser Artikel.

Rente in Deutschland – Wie sieht die Zukunft aus? 

Für die gesetzliche Rente ist es aufgrund des Umlageverfahrens wichtig, dass ausreichend Beitragszahler vorhanden sind. Zeitgleich sollte sich die Zahl der Rentenbezieher in Grenzen halten.

In Deutschland gibt es einen recht großen Anteil von Menschen zwischen 46 bis 66 Jahren. Diese Generation wird als die sogenannten „Babyboomer“ beschrieben – also sehr geburtenstarke Jahrgänge. Diese Personengruppe wird in den kommenden 20 Jahren das Renteneintrittsalter erreichen. Somit ist damit zu rechnen, dass die Zahl der zukünftigen Rentner stark ansteigen wird. Dem gegenüber ist die Zahl der zukünftigen Beitragszahler in einem deutlich geringeren Verhältnis. Dies kann dazu führen, dass das Rentenniveau in Zukunft sinkt oder die Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung deutlich steigen. Mögliche Folgen sind geringe Rentenzahlungen aus der gesetzlichen Rente und drohende Altersarmut.

Reicht die Rente aus der Deutschen Rentenversicherung zukünftig aus? 

Wie du siehst, stehen wir in Deutschland vor der Herausforderung, dass die gesetzliche Rente (die erste Säule) in Zukunft möglicherweise nicht ausreicht, um alle Kosten im Alter zu decken. Durch den Generationenvertrag und das Umlageverfahren ist es essentiell wichtig, dass genug Beitragszahler vorhanden sind. So kann ein gewisses Rentenniveau sichergestellt werden. Ob dies in Zukunft so sein wird, darf bezweifelt werden. Ohne Rentenreform kann daher das Risiko von Altersarmut in Zukunft steigen. Umso wichtiger werden somit die zweite und dritte Säule im Rentensystem. Selbst vorzusorgen, auch in der Niedrigzinsphase, kann daher sehr wichtig sein. 

Grundsätzlich solltest du dir bewusst sein, dass es aufgrund der oben genannten Entwicklungen zunehmend wichtig ist, dass du hinsichtlich deiner Altersvorsorge selbst aktiv wirst. Du kannst zum Beispiel einen Fondssparplan nutzen. Weitere Möglichkeiten der Altersvorsorge haben wir hier für dich zusammengestellt.

1 https://sozialversicherung-kompetent.de/rentenversicherung/zahlen-werte/894-beitragssatz-rentenversicherung-2019.html

2 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/188738/umfrage/entwicklung-des-beitragssatzes-in-der-gesetzlichen-rentenversicherung-seit-1990/

3 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6968/umfrage/anzahl-der-renten-in-deutschland-seit-1992/

4 https://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/rentenanpassung-2019.html

5 https://www.merkur.de/politik/renten-paradies-oesterreich-faktencheck-8465343.html

6 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1351/umfrage/altersstruktur-der-bevoelkerung-deutschlands/

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