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ETF als Altersvorsorge

|Lesezeit 6 MIN

Sicherheit im Ruhestand

Es heißt, die Renten seien sicher. Trotzdem: Fast 76 % der deutschen Bürger machen sich Sorgen um die eigene finanzielle Versorgung im Alter.¹  Private Altersvorsorge wird damit so wichtig wie nie. Eine Möglichkeit dafür sind Geldanlagen, beispielsweise sogenannte ETFs. Weil sie besonders günstig sind, kommen sie auch für junge Menschen infrage. Und wegen ihrer Struktur gelten sie als vergleichsweise sicher. Warum das so ist und wie du ETFs für deine Altersvorsorge nutzen kannst, erfährst du im Folgenden.

Was ist ein ETF?

ETF steht für „exchange-traded fund“ und bezeichnet einen Investmentfonds, der an der Börse gehandelt wird. Das Besondere dabei ist, dass ein ETF einen Börsenindex abbildet, weshalb auch der Begriff Indexfonds geläufig ist. Bei einem ETF investieren Banken oder Fondsgesellschaften das Geld ihrer Anleger in alle Wertpapiere, die in dem jeweiligen Index enthalten sind. Änderungen am Index – wenn beispielsweise ein Unternehmen neu hinzukommt oder ausscheidet – werden auch im ETF umgesetzt. 

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Ein Börsenindex fasst bestimmte, an der Börse gehandelte, Größen zusammen. Das kann in etwa ein Aktienindex sein, der Aktien zu mehreren börsennotierten Unternehmen zusammenfasst. Je nach Index müssen diese Unternehmen bestimmte Anforderungen erfüllen. So fasst beispielsweise der DAX, der deutsche Aktienindex, die (aus Sicht des deutschen Aktienmarkts) 30 größten Unternehmen zusammen. 

Der Unterschied zu klassischen Fonds

Du ziehst einen ETF als Altersvorsorge in Betracht? Dann ist es gut, den Unterschied zu klassischen Investmentfonds und Aktienfonds zu kennen: Im Gegensatz zu diesen kannst du mit einem Indexfonds einfach in ganze Märkte statt in einzelne Unternehmen investieren. Deshalb zählen ETFs zu den passiven Anlagen. Weitere Unterschiede sind:

  • Klassische Fonds betreut in der Regel aktiv ein Fondsmanager. Sie gelten daher als aktive Anlagen.
  • Ein Fondsmanager versucht, durch den Kauf und Verkauf von Wertpapieren einen bestimmten Vergleichsindex zu übertreffen und eine höhere Rendite zu erwirtschaften. Beim ETF dagegen soll das Ergebnis des Vergleichsindex erzielt werden.  
  • Nicht bei jedem klassischen Fonds können die Anleger die Handlungen des Fondsmanagers einsehen und nachvollziehen. Außerdem kann der Manager und damit auch die Anlagestrategie wechseln.
  • Kosten für Manager und Verwaltung machen klassische Fonds normalerweise teurer als ETFs. Sie müssen daher eine gewisse Rendite erzielen, um sich für die Anleger zu lohnen. 

Was ETFs für die Altersvorsorge außerdem attraktiv macht: Der durchschnittliche ETF gilt als sehr transparent und übersichtlich, denn schließlich sind die Vergleichsindizes problemlos einsehbar. Aber dass ein ETF nur einen Index abbildet und nicht versucht „den Markt zu schlagen“, also möglichst hohe Renditen zu erzielen, kann sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein – abhängig davon, was du für ein Anlagetyp bist und welches finanzielle Ziel du anstrebst.

Um dein angelegtes Geld musst du dir aber in keinem Fall Sorgen machen: Wie auch klassische Fonds gelten ETFs als Sondervermögen. Damit ist deine Geldanlage auch bei Insolvenz des Anbieters geschützt.

ETF ist nicht gleich ETF:

  • Beim physischen ETF werden eins zu eins die Wertpapiere eines bestimmten Index nachgekauft. Voraussetzung ist, dass dieser nicht zu groß ist. Andernfalls wird meist nur eine Auswahl der Wertpapiere erstanden.
  • Der synthetische ETF hingegen kann auch Wertpapiere enthalten, die eigentlich nicht Teil des abgebildeten Index sind. Außerdem erzielt der synthetische ETF Gewinne, indem der ETF-Anbieter Sicherheiten von einem Finanzpartner wie einer Bank erhält. Diese bekommt im Tausch („Swap“ genannt) eine Auswahl an Wertpapieren.

Zusätzlich lässt sich auch die Art der Gewinnbeteiligung differenzieren:

  • Ein ausschüttender ETF gibt die Dividenden gesammelt an die Anleger weiter. Das ist besonders praktisch, wenn du einen ETF statt zur Altersvorsorge für deine Lebenshaltungskosten nutzen möchtest.
  • Beim wiederanlegenden oder thesaurierenden ETF werden die Ausschüttungen direkt wieder in den Fonds investiert. Du kannst mit einem solchen ETF effektiv Vermögen für die Altersvorsorge anhäufen.

Welche Art ETF zu dir passt, entscheidest du. Du bist in jedem Fall nicht allein: In Deutschland erfreuen sich Indexfonds zunehmender Beliebtheit, sodass knapp 560.000 Privatanleger bereits in ETFs investieren – etwa dreimal so viele wie noch vor drei Jahren.²

Die Kosten für ETFs

Ein ETF soll vor allem Kosten minimieren. Da kein Manager den Fonds verwaltet, sind Indexfonds vergleichsweise günstig. Allerdings lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte: Manche Anbieter zahlen Provisionen an Banken und ähnliche Fondsvermittler. Diese Kosten geben sie dann an die Kunden weiter. Außerdem fallen eventuell Bearbeitungs- und Verwaltungsgebühren an. Und ebenso ist für ETFs eine Mehrwertsteuer zu entrichten. 

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Inwiefern Kosten deine Rendite mindern, erkennst du anhand der sogenannten Total Expense Ratio (TER). Dies ist eine Kennzahl für die Gesamtkosten eines Fonds. Nicht enthalten in der TER sind die Transaktionskosten. 

Mit deinem ETF Altersvorsorge und Vermögensaufbau betreiben

Es ist wichtig, privat für das Alter vorzusorgen. Denn das deutsche Rentenniveau sinkt und die durchschnittliche Rentenlücke – also das Verhältnis deiner Rente zu deinem letzten Gehalt vor dem Ruhestand – wird immer größer. Schafft hier ein ETF als Altersvorsorge Abhilfe?

Vorab: Mit einem ETF lässt sich genauso viel Rendite erzielen, wie die Investoren des jeweiligen Börsenindex erwirtschaften – bei deutlich geringeren Kosten. Das zählt gerade in der aktuellen Ära der Niedrigzinsen: Dank dieser Kostenminderung liegt die Rendite von ETFs auch in Zeiten niedriger Zinsen oft noch über 5 %. Darum eignen sich ETFs zumindest gut für den Vermögensaufbau

Das passende Finanzprodukt für die Altersvorsorge mit einem ETF

Da ETFs verhältnismäßig günstig sind, kommen sie gerade für junge Leute infrage. Ausschlaggebend ist hier allerdings die Wahl des richtigen Produkts für deine effektive Altersvorsorge mit ETFs. 

ETF-Sparpläne

Einen ETF-Sparplan kannst du dir relativ unkompliziert sowohl bei Online-Anbietern als auch bei klassischen Banken einrichten. Dazu legst du dir einfach ein kostenloses Depot bei dem Anbieter deiner Wahl an. Anschließend suchst du dir den Index aus, in den du investieren möchtest und legst deine persönliche Sparrate fest. Diese kannst du auch später noch flexibel verändern: Sollte das Geld einmal knapp sein, kannst du die Einzahlung aussetzen. Und solltest du einmal mehr Finanzmittel zur Verfügung haben, kannst du deine Rate erhöhen. 

Von deinen Einzahlungen werden anschließend jeden Monat Wertpapiere deines ausgewählten Index gekauft. Das passiert bis zu einem von dir gewählten Zeitpunkt: Du kannst dir deinen Sparplan jederzeit auszahlen lassen. Dann musst du auch Steuern auf deine Gewinne zahlen, genau genommen die Kapitalertragssteuer. Sie beträgt – nach Abzug eines Freibetrags von 801 Euro – 25 %.

ETF-Rentenversicherung

Die Alternative zum Sparplan ist die ETF-Rentenversicherung. Ihr Name verrät: Bei der ETF-basierten Altersvorsorge ist sie eher als langfristige Versicherung zu sehen und nicht als bloßes Mittel zum Vermögensaufbau. Der Ansparprozess ist dabei derselbe wie beim ETF-Sparplan: Auch für die Rentenversicherung erstellst du ein Depot und investierst einen regelmäßigen Betrag. 

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Der Unterschied zwischen beiden Anlageformen wird erst bei der Auszahlung deutlich. So kannst du dir zwar auch das Geld aus der ETF-Rentenversicherung auf einmal auszahlen lassen. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit monatlicher Auszahlungen. In beiden Fällen werden die Auszahlungen allerdings steuerlich anders gehandhabt. Das bedeutet, dass du mit ETF-Rentenversicherungen einen signifikanten Steuervorteil gegenüber ETF-Sparplänen hast: 

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    Ab deinem 62. Lebensjahr musst du ausgezahlte Gewinne nur zur Hälfte deines individuellen Steuersatzes versteuern. Auch wenn du den Spitzensteuersatz zahlen würdest, wäre die Steuerlast bei der ETF-Rentenversicherung niedriger als beim ETF-Sparplan.

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    Lässt du dir deine Geldanlage bzw. die Gewinne als monatliche Rate auszahlen, fallen die Steuervorteile noch höher aus: Hier musst du nur den sogenannten Ertragsanteil versteuern. Beim derzeit regulären Renteneintritt mit 67 Jahren liegt dieser bei 17 %. Das bedeutet nicht, dass dein Steuersatz 17 % beträgt, sondern dass du nur 17 % deiner Rente versteuern musst. Je nach persönlichem Steuersatz fällt die steuerliche Belastung dann deutlich niedriger aus.

Vor- und Nachteile einer Altersvorsorge mit ETFs

Ein ETF-Sparplan ist ein guter Weg, um Vermögen aufzubauen. Da das Geld bei dieser Art der Anlage jedoch auf einen Schlag ausgezahlt wird, eignet sie sich nur bedingt für die Altersvorsorge. Das Modell monatlicher Auszahlungen in Form einer Rentenversicherung bietet da schon mehr Perspektive. Das betrifft nicht nur die erwähnten Steuervorteile, sondern du kannst auch langfristiger planen und deine gesetzliche Rente effektiv aufstocken.

Allerdings ist der große Vorteil von Indexfonds, nämlich das passive Management, auch ihr größter Nachteil gegenüber anderen fondsgebundenen Rentenversicherungen. Der Fokus auf eine möglichst hohe Rendite wird gerade in Zeiten der sich vergrößernden Rentenlücke immer ausschlaggebender. Zumal auch bei ETF-Rentenversicherungen keine Garantie dafür besteht, dass deine Investitionen genug Gewinn abwerfen, um deine Rentenlücke zu schließen. Zwar gelten ETFs gerade im Hinblick auf die Altersvorsorge als verhältnismäßig sicher – die Risiken von Marktschwankungen bestehen aber natürlich trotzdem.

Was es bei der Investition in ETFs zu beachten gilt

Gerade bei einem ETF-Sparplan besteht die größte Herausforderung darin, gelassen und souverän auf Marktentwicklungen zu reagieren. So solltest du mindestens 10 bis 15 Jahre³ „durchhalten“ und dir deine Investition nicht vorschnell auszahlen lassen. Nur so lassen sich Risiken wie Wertverluste hinreichend ausbalancieren.

Und ganz gleich, ob Sparplan oder Rentenversicherung: Die Wahl des ETF-Anbieters ist entscheidend. Die solltest du nicht ausschließlich anhand der laufenden Kosten des Indexfonds treffen. Zwar suggerieren niedrige laufende Kosten eine höhere Rendite, aber in der Realität ist dies nicht zwangsweise auch der Fall. Beispielsweise können ETF-Anbieter Aktien kurzzeitig an Banken verleihen und so zusätzliche Gewinne erzielen. Dies wird in den laufenden Kosten nicht berücksichtigt. Außerdem sollte der ETF schon eine gewisse Zeit am Markt sein. So kannst du überprüfen, ob er die Wertentwicklung des abgebildeten Börsenindex nachvollziehen konnte. 

Und natürlich solltest du auch dein eigenes Börsen- und Finanzwissen bedenken: So mancher Aktienindex ist für Laien schwer zu durchschauen. Da es keinen Fondsmanager gibt, der dir diese Arbeit abnimmt, ist es daher ratsam, für den Anfang der Altersvorsorge mit ETFs einen möglichst einfach strukturierten Vergleichsindex zu wählen.

Alternativen zum ETF für deine Altersvorsorge

Wenn du kein Börsenexperte bist, sind ETFs eine einfache Möglichkeit, trotzdem am Marktgeschehen teilzunehmen. Die niedrigen Kosten und die Option, sich die Gewinne als Rente auszahlen zu lassen, machen eine Altersvorsorge mit ETFs besonders für jüngere Menschen attraktiv. 

Allerdings können andere Formen einer fondsgebundenen Rentenversicherung gewinnbringender sein und deine Rentenlücke effektiver schließen. Am besten informierst du dich auch über Alternativen und findest so die Altersvorsorge, die am besten zu dir passt!

¹ http://www.oecd.org/els/soc/Risks-That-Matter-2018-DEU-de.pdf (zuletzt abgerufen am 20.09.2019)

² https://www.capital.de/geld-versicherungen/altersvorsorge-etfs-vorsorge-fuer-den-ruhestand (zuletzt abgerufen am 17.09.2019)

³ https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/fondssparplan/ (zuletzt abgerufen am 18.09.2019)

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