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Elternzeit und Rentenversicherung: So kriegst du beides unter einen Hut

|Lesezeit 5 MIN

Rente trotz Elternzeit

Wie soll das Kind heißen? Welche Farbe kriegt das Kinderzimmer? Und worauf muss ich bei der Ernährung achten? Es gibt viele Themen, über die sich werdende Eltern Gedanken machen. Rente und Ruhestand gehören oft nicht dazu. Doch spätestens, wenn sich ein Elternteil zugunsten der Kindererziehung beurlauben lässt, stellt sich die Frage: Muss ich während der Elternzeit in die Rentenversicherung einzahlen? Wir erklären dir, wie du deine Rentenansprüche auch während der Erziehungszeit ausbaust und worauf du dabei achten musst.

Begriffe rund um Elternzeit und Rente

Entwarnung vorab: Du musst dir keine Sorgen um deine Rentenansprüche machen, wenn du zugunsten der Kindererziehung (vorübergehend) aus deinem Job ausscheidest. Denn der deutsche Sozialstaat gewährt Familien und werdenden Eltern besonderen Schutz – auch wenn es um die Rente geht. In diesem Zusammenhang fallen oft verschiedene Begriffe wie Elterngeld, Mütterrente oder Kindererziehungszeit. Diese hängen zwar zusammen, bezeichnen aber verschiedene Aspekte der Regelungen rund um die Elternzeit:

Elternzeit

Elternzeit (gelegentlich auch „Elternurlaub“) meint den Zeitraum, für den du – und/oder dein*e Partner*in – dich von der Arbeit freistellen lässt, nachdem euer Kind geboren wurde. Während dieser Zeit genießt du Kündigungsschutz, bekommst aber auch kein Gehalt vom Arbeitgeber. Übrigens: Auch wenn du ein Kind adoptierst oder zur Pflege aufnimmst, hast du ein Recht auf Elternzeit.

Kindererziehungszeiten

Als Kindererziehungszeiten gelten die ersten drei Lebensjahre deines Kindes (bzw. zwei Jahre bei Kindern, die vor 1992 geboren wurden). Diese kannst du als Rentenanspruch geltend machen – beispielsweise, weil du während der Elternzeit nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlst. In solchen Fällen übernimmt der Bund deine Rentenbeiträge (dazu später mehr). Die Rechtsgrundlage für Kindererziehungszeiten bildet § 56 Sechstes Buch des Sozialgesetzbuches.

Kinderberücksichtigungszeiten

Kinderberücksichtigungszeiten wiederum dauern von der Geburt bis zum Ende des zehnten Lebensjahres eures Kindes an. Sie sind also eine Ergänzung zur Kindererziehungszeit. Während der Kinderberücksichtigungszeiten zahlt der Staat zwar keine Rentenbeiträge, die entsprechenden Jahre werden jedoch auf deine Wartezeit angerechnet  also die Zeit, die du mindestens in der deutschen Rentenversicherung versichert gewesen sein musst, um Anspruch auf deine Altersrente zu haben (in den meisten Fällen beträgt die Wartezeit für die Altersrente 35 Jahre). Die Kinderberücksichtigungszeiten regelt § 57 Sechstes Buch des Sozialgesetzbuches.

Elterngeld

Das Elterngeld ist eine Sozialleistung, die fehlendes Einkommen während der Elternzeit ersetzt. Der Staat zahlt dabei einen Teil deines Nettogehalts zur finanziellen Unterstützung. Du und dein*e Partner*in haben zusammen 12 Monate Anspruch auf Elterngeld (bzw. 14 Monate, wenn ihr beide für mindestens zwei Monate gleichzeitig in Elternzeit seid).

Mütterrente

Mütterrente ist vielmehr ein politisches Schlagwort als eine konkrete Leistung. Mit der „Mütterrente“ forderten Parteien im Bundestagswahlkampf 2013: Eltern von vor 1992 geborener Kinder sollen ein zusätzliches Jahr Rentenanspruch erhalten. Die Forderung konnte sich durchsetzen und ist seit dem 1. Juli 2014 gültig. Trotz ihrer Bezeichnung gilt die Mütterrente übrigens auch für Väter.

Antrag und Anspruch: So gehst du vor

Um als Mutter oder Vater in Elternzeit zu gehen, musst du diese nur mindestens sieben Wochen vorher schriftlich bei deinem Arbeitgeber anmelden. Du kannst deine Elternzeit später auch verlängern, maximal stehen dir jedoch pro Kind insgesamt 36 Monate zu. Und auch die vorzeitige Beendigung ist möglich. Hier benötigst du allerdings die Zustimmung deines Arbeitgebers.

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Wenn du selbstständig bist, musst du natürlich keine Elternzeit beantragen. Du hast aber dasselbe Recht auf Elterngeld und Anerkennung der Kindererziehungszeit wie Arbeitnehmer.

Im Gegensatz zur Elternzeit beantragst du Kindererziehungszeit und Kinderberücksichtigungszeit bei der Deutschen Rentenversicherung. Ein Nachweis, dass du dich in dieser Zeit um deinen Nachwuchs gekümmert hast, ist in dem Sinne nicht notwendig – es genügt die Geburtsurkunde des Kindes.

Nicht nur die leiblichen Eltern können Kindererziehungs- und Kinderberücksichtigungszeiten anerkennen lassen. Die Regelung betrifft auch Stief-, Adoptiv- und Pflegeeltern sowie Großeltern oder andere Verwandte.

Auswirkung der Elternzeit auf die Rente

Wie viel Rente du später bekommst, ist vor allem abhängig von deinen Entgeltpunkten, auch Rentenpunkte genannt. Diese orientieren sich am durchschnittlichen Verdienst der Deutschen, wobei 1 Rentenpunkt genau dem Durchschnittswert entspricht. Verdienst du mehr, bekommst du im Verhältnis mehr Rentenpunkte – oder weniger, falls dein Einkommen unter dem Durchschnitt liegt.

Da du während der Elternzeit nicht in die Rentenversicherung einzahlst, kannst du dir diese Zeit als Kindererziehungszeit anrechnen lassen. Dann zahlt der Staat deine Rentenbeiträge, sodass du auch in dieser Zeit Entgeltpunkte sammelst. Als Grundlage wird dabei immer das bundesweite Durchschnittsgehalt angenommen. Somit bekommst du für jedes Jahr der Kindererziehungszeiten genau einen Rentenpunkt.

Klärung des Anrechnungsanspruchs 

Auch wenn beide Eltern in Elternzeit gehen: Kindererziehungszeiten lassen sich immer nur auf einen Elternteil anrechnen. Zwar kannst du dich mit deinem*r Partner*in „abwechseln“, sodass ihr beispielsweise jeder jeweils anderthalb Jahre Kindererziehungszeit beansprucht. Gleichzeitig könnt ihr den Rentenanspruch jedoch nicht erheben.

Mit einer übereinstimmenden Erklärung könnt ihr gegenüber der Rentenversicherung deutlich machen, welchem Elternteil während der Elternzeit der Anspruch auf Kindererziehungszeiten zusteht. Liegt eine solche Erklärung nicht vor, nimmt die Rentenversicherung erst einmal an, dass die Mutter die Erziehung übernommen hat.

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Bei gleichgeschlechtlichen Paaren erhält (bei fehlender Erklärung) der leibliche Elternteil bzw. der Elternteil, der das Kind zuerst adoptiert hat, die Erziehungszeit. Ist beides nicht gegeben, wird die Kindererziehungszeit gleichmäßig verteilt.

Arbeiten während der Elternzeit: Wie sieht’s mit der Rente aus?

Wer Elternzeit nimmt, ist zu keiner beruflichen Tätigkeit verpflichtet. Dennoch und trotz Elterngeld entscheiden sich manche Eltern dafür, während dieser Zeit zu arbeiten. So kannst du das bis zu 30 Stunden pro Woche in Teilzeit tun. Du erhältst dann zwar weiter Rentenpunkte für Kindererziehungszeiten, musst einen Teil deines zusätzlichen Einkommens jedoch auch an die Rentenversicherung abführen – allerdings nur anteilig und bis zur Beitragsbemessungsgrenze, sodass du mit einer Teilzeitstelle durchaus deine Rentenansprüche erhöhen kannst.

Ähnliches gilt für Minijobs. Nimmst du einen solchen während der Elternzeit an, bist du zur Einzahlung in die Rentenversicherung verpflichtet. Du kannst dich im Gegensatz zur Teilzeitarbeit bei einem Minijob jedoch von der Versicherungspflicht befreien lassen.

Was es beim Thema Rente und Elternzeit noch zu beachten gibt

Es ist gut zu wissen, dass deine Rente auch während der Elternzeit bzw. Kindererziehungszeit gewährleistet ist. Falls du außerdem das Modell der Riester-Rente nutzt, kannst du hier ebenfalls unbesorgt sein. Denn auch während der Erziehungszeiten erhältst du die vollen Zulagen für deinen Riester-Vertrag. Trotzdem solltest du drei Dinge bedenken:

1. Melde deine Erziehungszeiten rechtzeitig an

Damit du später nicht länger arbeiten musst und deine Rentenlücke (der Unterschied zwischen letztem Gehalt vor dem Ruhestand und deiner Rentenhöhe) nicht noch größer wird, gilt: Beantrage deine Kindererziehungszeiten und Kinderberücksichtigungszeiten bei der Rentenversicherung frühzeitig – nämlich spätestens zwei Monate nach Geburt des Kindes.

2. Informiere dich über deine betriebliche Altersvorsorge

Bist du in Elternzeit, ruht deine betriebliche Altersvorsorge. Das möchtest du vermeiden? Dann kläre am besten mit der Personalabteilung, ob dein Unternehmen private Einzahlungen während der Elternzeit akzeptiert. 

3. Kümmere dich um zusätzliche Altersvorsorge

Kinder bringen eine große finanzielle Verantwortung mit sich. Dennoch solltest du deine Rente auch während der Elternzeit nicht aus dem Blick verlieren. Trotz staatlicher Zuschüsse für Kindererziehungszeiten kann es passieren, dass deine Bezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung später nicht für deinen Lebensstandard ausreichen. Hier schafft eine frühzeitige und konsequente Privatvorsorge Abhilfe.

Möglichkeiten zur privaten Altersvorsorge

Bei der privaten Altersvorsorge gibt es kein „zu früh“. Denn angesichts des demografischen Wandels sieht sich das deutsche Rentensystem einer großen Herausforderung gegenüber. Du denkst darüber nach, selbstständig Schritte einzuleiten, um deinen Lebensstandard im Alter zu sichern? Dann hast du folgende Möglichkeiten zur privaten Altersvorsorge:

Sofortrente

Wie der Name es schon andeutet, bekommst du eine Sofortrente ausgezahlt, sobald dein Antrag bewilligt wurde. Dazu zahlst du dem jeweiligen Anbieter vorab einen gewissen (in der Regel sehr hohen) Betrag, aus dem sich dann deine Rentenbezüge speisen.

Klassische Rentenversicherung

Die klassische Rentenversicherung war lange Zeit gängiger Standard in Sachen privater Vorsorge. Inzwischen gilt das Konzept jedoch als nicht mehr effektiv und profitabel. Denn bei der klassischen Rentenversicherung werden deine eingezahlten Beiträge nur gespart. Wir befinden uns jedoch aktuell in einer Phase von Niedrigzinsen. Und das bedeutet, dass es für Sparanlagen keine Zinsen gibt. Im Gegenteil: Durch die Inflation verliert dein Geld mit der Zeit sogar an Wert.

Private Investitionen

Indem du dein Geld anlegst, kannst du es effektiv vermehren. Neben Immobilien, Anleihen und Aktien hast du zudem die Möglichkeit, in ganze Fonds zu investieren. Durch eine breite Streuung deines Investments und einen längeren Anlagezeitraum kannst du dabei auch Marktschwankungen gut ausgleichen.

Fondsgebunde Rentenversicherungen

Du möchtest die Vorteile von Investitionen nutzen, dein Verlustrisiko aber möglichst klein halten? Und gleichzeitig von den Vorzügen einer Rentenversicherung profitieren? Dann ist die fondsgebundene Rentenversicherung vielleicht richtig für dich. Hier werden deine Versicherungsbeiträge angelegt, sodass du im Ruhestand nicht nur deine Einzahlungen, sondern auch die erwirtschafteten Gewinne als Rente bekommst.

Elternzeit geplant = Frühzeitig zur Rente informieren

Mit einem Kind ordnen sich die Prioritäten im Leben neu. Trotzdem solltest du dein eigenes Wohlergehen nicht vernachlässigen. Dazu zählt auch, dass du regelmäßig deine Renteninformation überprüfst und Rentenansprüche wie Kindererziehungszeiten geltend machst. 

Dabei wirst du schnell feststellen, dass eine private Altersvorsorge nahezu unerlässlich ist, um deine Rentenlücke zu schließen. Wir helfen dir gern weiter, eine passende Lösung dafür zu finden – damit du eine Sorge weniger hast und dich voll und ganz über deinen Nachwuchs freuen kannst.

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