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Altersvorsorge in Zeiten der Niedrigzinsen

|Lesezeit 6 MIN

Niedrigzinsen bedeuten nicht nur Vorteile

Wenn du schon einmal einen Kredit aufgenommen hast, weißt du: Auch Geld leihen ist nicht umsonst. Stattdessen zahlst du deinem Kreditgeber über die Zinsen einen insgesamt höheren Betrag zurück. Momentan sind diese Zinsen sehr günstig, was vor allem an den aktuellen Niedrigzinsen liegt. Es ist jedoch ein Trugschluss, dass niedrige Zinsen für dich als Privatperson nur Vorteile bringen. Im Gegenteil können sie, besonders beim Thema Altersvorsorge, entscheidende Herausforderungen zur Folge haben.

Leitzins und Niedrigzinsen

Die Definition von Niedrigzinsen ist eine Frage der Perspektive: Für manchen Sparer ist alles unter 4 % schon ein niedriger Zinssatz. Für die Person, die wiederum einen Immobilienkredit aufnimmt, beginnen Niedrigzinsen vielleicht erst bei 1 oder 2 %. 

Vermutlich sind sich jedoch alle darüber einig, dass der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) zweifelsohne als Niedrigzins bezeichnet werden kann. Denn er liegt (zumindest für Hauptrefinanzierungsgeschäfte) aktuell bei glatten 0 %.¹

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Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem Kreditinstitute mit einer Zentralbank Geschäfte machen können. Im konkreten Fall für die EU bedeutet dies, dass Banken von der EZB Geld beziehen, um liquide zu sein. Für diese Versorgung mit Geld zahlen sie, wie auch private Kreditnehmer, Zinsen.

Leitzins als politisches Instrument 

Der EZB-Rat legt den Leitzins fest. Er entscheidet zudem, ob der Leitzins angehoben oder gesenkt wird sowie über Dauer und Zeitpunkt der Änderung. Gründe, den Leitzins anzupassen, können beispielsweise sein: 

  • Die Geldmenge kontrollieren: Ein höherer Leitzins bedeutet, dass es für Banken teurer wird, sich über die EZB mit Geld zu versorgen. Bei Niedrigzinsen ist das Gegenteil der Fall. Das beeinflusst die Banken signifikant bei der Entscheidung, wie viel Geld sie beschaffen möchten. So kann die EZB mehr oder weniger direkt Einfluss darauf nehmen, wie viel Geld sich im Umlauf befindet.
  • Auf den Außenwert des Euros einwirken: Auch für den Wechselkurs einer Währung hat der Leitzins Konsequenzen. Steigt der Zinssatz an, steigt auch der Wechselkurs. Bei einer Senkung fällt er. Das wiederum wirkt sich auf Import und Export aus. Das Ziel einer Politik der niedrigen Zinsen kann deshalb auch sein, den Euro verfügbarer zu machen und so den Export anzukurbeln.
  • Das Wirtschaftswachstum erhöhen, die Arbeitslosenquote senken: Ein niedriger Leitzins bedeutet niedrige Kreditzinsen. Dadurch werden mehr Kredite aufgenommen und mehr Geld in die Wirtschaft investiert. Unternehmen können ihr Budget erweitern und ihre Belegschaft vergrößern – so zumindest die Theorie hinter der Geldpolitik der EZB.
  • Einen Richtungswechsel signalisieren: Wird der Leitzins verändert, geht das mit einer gewissen Berichterstattung einher. Durch eine Zinsanpassung kann die EZB daher auch deutlich machen, welchen Kurs sie für die Volkswirtschaft der EU einschlagen möchte. Auswirkungen haben solche Nachrichten besonders für die Börse: Hier lassen Meldungen über Leitzinssenkungen die Aktienkurse häufig in die Höhe schnellen. 

Niedrigzinsen als Folge der Wirtschaftskrise

Zwar befinden sich in Deutschland die gesamtwirtschaftlichen Realzinsen – also die Zinsen auf das gesamte Vermögen der deutschen Wirtschaft – schon seit Mitte der 80er Jahre kontinuierlich im Fall.² Die eigentliche „Ära der Niedrigzinsen“ begann jedoch mit der großen Weltwirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009. Als Reaktion darauf passte die EZB ihre Geldpolitik an und senkte den Leitzins zunehmend, um die Wirtschaft zu stimulieren. 

Sie war damit übrigens nicht allein: Schon vorher hatten die amerikanische Notenbank FED, die Zentralbank von Japan (Bank of Japan) und die Zentralbank des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland (Bank of England) ihre Leitzinsen auf 0 % gesenkt. Während beispielsweise der Leitzins der FED sich aber schon wieder im Aufwärtstrend befindet, beharrt die EZB weiterhin auf ihrer Niedrigzins-Politik. Ihre Begründung: Die Konsequenzen der Staatsschuldenkrise würden sich nach wie vor auf die europäische Wirtschaft auswirken. Die niedrigen Zinsen sollen Stabilität schaffen.

Pro und Contra von Niedrigzinsen

An der Frage, ob diese Geldpolitik positive oder negative Folgen für die europäische Wirtschaft hat, scheiden sich die Geister. Befürworter verweisen auf die anhaltende Stabilität des Euros und des europäischen Preisniveaus. Außerdem gebe es für Unternehmen die Möglichkeit, mit günstigen Krediten ihre Investitionen zu steigern. 

Dem entgegnen Kritiker, dass diese Option kaum genutzt wird. Denn gerade in Deutschland verfügen viele Unternehmen über ausreichend eigene Finanzmittel und sind nicht auf die Finanzierungsangebote von Banken angewiesen. Gleichzeitig wird befürchtet, dass der erhöhte Geldfluss eine einschneidende Inflation mit sich bringen könnte. Das heißt, Waren und Dienstleistungen werden immer teurer. Denn je mehr Geld im Umlauf ist, desto geringer wird seine Kaufkraft.

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Vereinfacht dargestellt bezeichnet Inflation den Wertverlust von Geld. An der Inflationsrate kannst du ablesen, um welchen Prozentsatz der Wert gefallen ist und wie viel du für eine bestimmte Menge Geld bekommst. Beispiel: Lag die Inflationsrate bei 2 %, müsstest du für einen 100-Euro-Artikel in diesem Jahr ungefähr zwei Euro mehr als im Vorjahr zahlen.

Niedrigzinsen treffen Sparer besonders

Vor allem für private Sparer haben Niedrigzinsen jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie bekommen kaum Zinsen auf ihre Ersparnisse. Die EZB verlangt von Banken, die Geld nicht von ihr beziehen, sondern bei ihr parken möchten, einen Zins von 0,5 %. Um keine Kunden zu verlieren, geben die Banken den Negativzins zwar in der Regel nicht an diese weiter. Sie zahlen gleichzeitig aber auch keine oder nur sehr geringe Zinsen für deren Tages- und Festgeldkonten – gelegentliche Sonderaktionen zur Gewinnung neuer Kunden einmal ausgeschlossen.

Das ist besonders in Deutschland ein großes Problem. Gut 40 % des deutschen Gesamtvermögens ruht auf Sparkonten, in Sparbüchern oder kommt als Bargeld zum Einsatz.³ Gerade Sparkonten und Sparbücher werden vor allem für ihre Flexibilität geschätzt. Denn wenn du einmal kurzfristig Geld brauchst, kannst du bei einem Tagesgeldkonto & Co. schnell darauf zugreifen. Das ist natürlich praktisch, aber leider nicht hilfreich, wenn du effektiv Vermögen aufbauen möchtest.

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Alternativen zum Sparen

Für die sonst eher investitionsscheuen Deutschen heißt es daher, Abschied von der Vorstellung zu nehmen, sich wohlhabend zu sparen. Stattdessen ist ein Umdenken angesagt. Denn trotz Niedrigzinsphase sparen 70 % der Deutschen weiterhin.⁴ Glücklicherweise gibt es eine Auswahl an aussichtsreicheren Anlageformen für dein Geld:

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    Mit Anleihen werden Anleger zu Kreditgebern. Das investierte Kapitel funktioniert dabei als Darlehen für Unternehmen oder Staaten. Besonders Staatsanleihen großer Industrienationen wie Deutschland gelten als sicher. Allerdings ist hier die Rendite auch vergleichsweise gering.

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    Möchtest du direkt von den Niedrigzinsen profitieren, kannst du in Immobilien investieren. Die derzeit günstigen Kredite kannst du als „Betongeld“ nutzen und Wohn- oder Gewerbeobjekte als Kapitalanlage kaufen. Dabei solltest du bedenken, dass das Risiko eines Konjunkturrückgangs besteht. Möchtest du deine Immobilie gewerblich vermieten, ist deshalb nicht garantiert, dass sich ausreichend Unternehmen als Mieter finden.

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    Falls du nicht sowieso schon darüber nachgedacht hast, kannst du überlegen, deine Geldanlage in Aktien zu stecken. Dabei erwirbst du über ein Wertpapier Unternehmensanteile. Abhängig von Angebot und Nachfrage – die wiederum von Faktoren wie beispielsweise dem Erfolg des Unternehmens, der öffentlichen Berichterstattung oder Prognosen zur jeweiligen Branche und Industrie beeinflusst werden – steigt oder sinkt der Wert der Aktie. Bei einer hohen Rendite, also wenn die Aktie deutlich wertvoller ist als vorher, kannst du sie gewinnbringend verkaufen. Zusätzlich beteiligen viele börsennotierte Unternehmen ihre Aktionäre an ihren Gewinnen und schütten regelmäßig Dividenden aus.

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    Möchtest du deine Erfolgsaussichten optimieren, können Investmentfonds das Mittel deiner Wahl sein. Hier legst du dein Geld gemeinsam mit anderen an. Das erhöht das insgesamte Kaufvolumen und ermöglicht somit auch größere Gewinne. Investmentfonds gibt es dabei sowohl für Anleihen (Rentenfonds), Immobilien (Immobilienfonds) als auch Aktien (Aktienfonds). Oder du entscheidest dich für einen ETF: Bei dieser Anlageform werden gezielt Wertpapiere eines ganzen Börsenindex gekauft.

Du fragst dich, welche Geldanlage am besten zu dir passt? Das lässt sich so pauschal nicht sagen und ist von dir als Person abhängig. Wenn du klein, aber auch früh anfangen möchtest, sind Fonds jedoch eine vielversprechende Option. Denn für den Anfang musst du keine hohen Beträge investieren. Die Hauptsache ist, dass du regelmäßig und über einen möglichst langen Zeitraum einzahlst. So lassen sich auch Marktschwankungen und ungünstige Börsenentwicklungen effektiv wieder ausgleichen. 

Altersvorsorge und Niedrigzinsen: So klappt es

Im besten Fall kannst du deine Investition so zur Altersvorsorge nutzen. Denn auch hier wirken sich die Niedrigzinsen ungünstig aus. Nicht nur, weil du im Zuge der Inflation mit bloßem Sparen Verluste machst: Schließlich verliert dein Geld an Wert, ohne sich durch Zinsen zu vermehren. Klassische Vorsorgeformen wie kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen basieren ebenfalls auf Ersparnissen. Für Anbieter dieser Versicherungen ist es daher kaum noch möglich, angemessene Renditen zu erzielen und ihren Kunden Gewinne zu garantieren. 

Weil das Rentenniveau sinkt und die deutsche Rentenlücke wächst, ist private Altersvorsorge aber so wichtig wie nie. Eine geschickte Geldanlage ist hier die rentabelste Alternative zu einem Sparbuch oder Tagesgeldkonto. Und um bei dem Beispiel der Investmentfonds zu bleiben: Neben einem Fonds-Sparplan, bei dem du dir deine Erträge jederzeit auszahlen lassen kannst, gibt es auch die Option einer Rentenversicherung auf Fonds-Basis. Eine solche fondsgebundene Rentenversicherung verbindet die Erfolgsaussichten eines Investmentfonds mit der Sicherheit einer Rentenversicherung. Das bedeutet, dass du dein angelegtes Kapitel im Ruhestand regelmäßig als Rente ausgezahlt bekommst.

Trotz Niedrigzinsen handeln statt abwarten

Die Zeit der Niedrigzinsen dauert nun schon mehrere Jahre an, ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Zumindest nicht, bis die Stabilität der Eurozone nach Meinung der EZB sichergestellt ist. Bis zu welchem Zeitpunkt der Leitzins noch auf Nullniveau bleiben wird, dazu hat die Zentralbank sich bisher nicht konkret geäußert. 

Es ist also wenig sinnvoll, auf einen Kurswechsel zu hoffen, um alte Spargewohnheiten beibehalten zu können. Gerade beim Thema Altersvorsorge solltest du keine Zeit verlieren und dich frühzeitig damit befassen. Am besten informierst du dich schon jetzt über Vorsorge-Alternativen, die zu dir passen!

¹ https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/eurosystem/ezb-zinssaetze-607780

² https://bankenverband.de/blog/warum-sind-die-zinsen-so-niedrig (zuletzt abgerufen am 18.09.2019)

³ https://www.capital.de/geld-versicherungen/was-sie-ueber-die-niedrigzinsen-wissen-muessen (zuletzt abgerufen am 18.09.2019)

⁴ https://bankenverband.de/media/uploads/2016/06/08/2016-03_sparenverhalten_bei_niedrigzingen.pdf (zuletzt abgerufen am 18.09.2019)

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