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Selbst sparen statt Rentenversicherung – Lohnt sich das? 

|Lesezeit 5 MIN

Wer nicht auf die Rentenversicherung setzt sollte darauf achten.

Sparen wird als Altersvorsorge von vielen jüngeren Menschen nicht in Betracht gezogen. Geld fürs Alter zurücklegen ist nicht unbedingt "sexy" – schließlich leben wir doch jetzt, oder? Tatsächlich kann selbst sparen als Ergänzung zur Rentenversicherung sehr attraktiv sein, wenn du es richtig angehst. Wir zeigen dir, worauf es ankommt.  

Warum dir die staatliche Rente im Alter nicht reichen wird

Gehen wir einmal davon aus, dass du in deinem aktuellen Job bereits ein paar Jahre sozialversicherungspflichtig gearbeitet hast und auch in Zukunft arbeiten wirst. Um im Alter schließlich die vollen Rentenbezüge zu bekommen, musst du 45, in Worten „fünfundvierzig“ Jahre lang in die Rentenkasse einzahlen. Wenn du jetzt davon ausgehst, dass du dafür dann auch eine große Rente bekommst, liegst du falsch. Denn tatsächlich liegt das Rentenniveau aktuell bei 48 %. Soll heißen: Wenn man davon ausgeht, dass dein Gehalt in etwa dem deutschen Durchschnitt entspricht, dann bekommst du nach 45 Jahren Arbeit also nur 48 % deines letzten Bruttolohns als Rente ausgezahlt. Das zwar ein Leben lang, aber mit der Hälfte deiner Einkünfte kannst du deinen Lebensstandard vielleicht nicht mehr so einfach halten. 

Was du wissen solltest: In diesem Beispiel gehen wir von 45 Beitragsjahren aus. Diese Zahl erreichen heute nur noch die wenigsten Arbeitnehmer. Beim Renteneintritt mit 65 musst du dann mit 20 bereits sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben. Doch mit Praktika, einem Studium und einem freiwilligen sozialen Jahr ist der Berufseintritt für viele erst mit Mitte 20. Die Möglichkeit, die vollen Beitragsjahre für die gesetzliche Rente zu erreichen, sinkt also. 

Und noch etwas: Ab 2045 soll die Rentenquote nur noch bei 43 % liegen. Deine Rente wird somit noch weiter schrumpfen.

Deshalb solltest du unbedingt eine ergänzende Vorsorge zur staatlichen Rente nachdenken. Dies könnte zum Beispiel Sparen zum privaten Vermögensaufbau sein. 

Das kannst du gegen drohende Altersarmut tun

Wie du vielleicht weißt, besteht die Altersvorsorge des deutschen Rentensystems aus drei Säulen. Die gesetzliche Rente ist nur eine Säule davon. Um Altersarmut vorzubeugen, solltest du die gesetzliche Rente ergänzen. Wenn du selbständig bist, ist die private Altersvorsorge unabdingbare Pflicht.

Was kannst du tun?

  • betriebliche Altersvorsorge (bAV): Bist du angestellt, hast du ein Recht auf betriebliche Altersvorsorge. Sprich deinen Arbeitgeber darauf an. Manche Unternehmen bieten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter z.B. eine Direktversicherung oder eine Pensionskasse an. In diesen Fällen zahlt der Arbeitgeber für dich in eine firmeneigene Rentenkasse ein, aus der du dann im Ruhestand Bezüge erhältst. Alternativ kannst du dich für die „Entgeltumwandlung“ entscheiden. Dabei wird ein Teil deines Bruttogehalts für die betriebliche Altersvorsorge verwendet. Dein Arbeitgeber kann noch etwas dazugeben. Der Vorteil: Du sparst steuern, da durch die Entgeltumwandlung dein Bruttolohn sinkt. Dafür musst du die Rente aus der bAV später wieder voll versteuern. 
  • private Rentenversicherungen: Im Rahmen der privaten Altersvorsorge kannst du die gesetzliche Rente mit einem privaten Rentenvertrag aufstocken. Hier gibt es unterschiedliche Modelle von verschiedenen Versicherungsunternehmen auf dem Markt. 
  • staatliche geförderte, private Rente: Bist du angestellt, kannst du "Riestern". Das bedeutet, du schließt eine staatlich geförderte Riester-Rente ab. Dabei handelt es sich um eine Rentenversicherung, für die du jedes Jahr einen Zuschlag vom Staat bekommst. Hast du Kinder, erhältst du pro Kind ebenfalls einen Zuschlag. Voraussetzung für die volle Förderung ist, dass du pro Jahr mindestens 4 % deines Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr in den Vertrag einzahlst.
    Eine staatlich geförderte Rente gibt es auch für Selbständige. Sie heißt "Rürup-Rente". Sie hat den Vorteil, dass du bis zu 24.305 Euro deiner Beiträge für die Versicherung jedes Jahr voll steuerlich absetzen kannst. Die Rürup-Rente ist somit während der Einzahlphase ein sehr attraktives Steuersparmodell. 
  • Sparen und privater Vermögensaufbau: Eine sehr spannende Variante als Ergänzung zur staatlichen Rente ist das Sparen. Hier stehen dir sehr viele Möglichkeiten zur Verfügung, die weit über das Zurücklegen von Geld auf dem Sparbuch gehen. Unser Artikel sollte also nicht "Selbst Sparen statt Rentenversicherung" lauten, sondern vielmehr "Selbst Sparen zur Rentenversicherung". Wir erklären dir auch gleich warum.
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Warum ist Sparen als Ergänzung zur gesetzlichen Rente sinnvoll?

Sparen hat als Ergänzung zur staatlichen Rente viele Vorteile, die wir hier für dich aufführen:

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    Höhere Flexibilität: Wenn du sparst, stehen dir viele verschiedene Anlagemöglichkeiten zur Auswahl. Du bist dabei nicht immer an einen langen Anlagezeitraum gebunden, sondern kannst dein freies Kapital immer dort einsetzen, wo du am meisten Zinsen oder Rendite bekommst.

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    Chance auf höhere Rendite: Durch die freie Wahl deiner Geldanlagemöglichkeiten hast du die Möglichkeit, immer die höchste Rendite zu bekommen. Abhängig von dem individuellen Risiko lässt sich die Rendite gegenüber klassischen privaten Rentenversicherungen deutlich steigern.

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    Größere Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern: Wenn du dich bei deiner privaten Altersvorsorge nur auf einen Anbieter konzentrierst, bist du komplett von dessen Wirtschaften abhängig. Beim Sparen sinkt deine Abhängigkeit, denn du kannst dein Geld selbst auf verschiedene "Töpfe" verteilen.

Wie spare ich für meine Rente?

Noch vor etwas mehr als einem Jahrzehnt, vor der Finanzkrise, war individuelles Sparen noch vergleichsweise einfach. Denn selbst das Sparbuch brachte mehr als 2 % Zinsen, die sich bei kontinuierlichem Sparen durch den Zinseszinseffekt deutlich am Vermögen bemerkbar gemacht haben. Doch mittlerweile ist das Sparbuch aufgrund von Zinsen im Nullkomma-Bereich keine wirkliche Alternative. 

Stattdessen bieten sich bessere Möglichkeiten zum Sparen an: 

  • ETFs: Hierbei handelt es sich um sogenannte "Indexfonds". Sie bilden einen Aktienindex ab und werden an der Börse gehandelt. Mit dieser Form der Geldanlage investierst du praktisch mit einer Anlageform in viele Aktien auf einmal. Dadurch wird das Risiko von Totalverlusten verringert. Dafür ist die Rendite nicht so hoch wie bei risikoreicheren Geldanlageformen. Mit etwas Durchhaltevermögen und Geduld kannst du damit aber gut für die Rente sparen. Deshalb lohnen sich ETFs gerade fürs langfristige Sparen. 
  • Sparpläne: Mit einem Sparplan einer Bank investierst du einen monatlichen Festbetrag, der von der Bank in verschiedene Finanzprodukte weiterinvestiert wird. Abhängig von deiner Risikobereitschaft und deinen Renditewünschen gibt es Sparpläne, die überwiegend in Aktienfonds investieren, aber auch Sparpläne, die in Indexfonds, also ETFs investieren. 
  • Immobilien: Eine sehr praktische Form des Sparens ist der Immobilienkauf. Wenn du zum Beispiel schon in jüngeren Jahren in eine Immobilie investierst, kannst du diese im Ruhestand selbst bewohnen und so die Miete sparen. Oder du vermietest die Immobilie und kannst mit den Einnahmen deine Rente aufstocken.

Wie viel Geld muss ich sparen, um mit der Leistung einer Rentenversicherung gleichzuziehen?

Wer selbst spart, um sich seine staatliche Rente aufzubessern, muss auf jeden Fall eine sechsstellige Summe ansparen. Als Faustregel gelten 190.000 Euro, um im Rentenalter eine Auszahlung von 1.000 Euro monatlich zu ermöglichen. Dabei wird eine Lebenserwartung von 80 Jahren beim Renteneintritt mit 65 Jahren angesetzt.

Möchtest du einen höheren Lebensstandard haben und gehst du von einer höheren Lebenserwartung aus, musst du den Betrag entsprechend erhöhen. Manche Versicherungen kalkulieren für die private Rentenversicherung z.B. mit rund 250.000 Euro für einen angenehmen Lebensabend.

Abhängig vom Zeitraum bis zur Rente und von einem realistischen Zinssatz auf die Geldanlage kann die erforderliche monatliche Ersparnis für einen Zielbetrag zum Renteneintrittsalter natürlich stark variieren. Exemplarisch lassen sich aber mit einem monatlichen Anlagebetrag von 500 Euro bei einem Zinssatz von 2,5 % in 25 Jahren schon deutlich über 190.000 Euro ansparen. 

10 praktische Tipps zum Sparen für die Rente

  • Je früher du mit dem Sparen für die Rente anfängst, desto besser.
  • Auch kleine Beträge sind sinnvoll. 
  • Wichtig ist, dass du regelmäßig Geld zurücklegst.
  • Mach so wenig Schulden wie möglich, dann kannst du mehr für die Rente sparen.
  • Überprüfe dein Sparmodell regelmäßig, um Renditechancen zu erkennen.
  • Eröffne am besten ein Tagesgeldkonto, um freies Kapital flexibel anzulegen.
  • Achte beim langfristigen Sparen für die Rente auf sichere Geldanlagen.
  • Setze beim Sparen statt Rente auf viele verschiedene Anlagemöglichkeiten.
  • Nutze einen Sparmix aus langfristigen, mittel- und kurzfristigen Geldanlagen.
  • Plane für die nächsten Jahre und nicht von heute auf morgen.

Fazit: Sparen für die Rente kann sich lohnen

Sparen hat heute nichts mehr mit Sparbuch und Weltspartag zu tun. Vielmehr stehen dir mit ETFs oder Sparplänen moderne Möglichkeiten zum „Rentensparen“ zur Verfügung. Sie sind flexibel und bieten dir eine ansprechende Rendite, um deine gesetzliche oder private Rentenversicherung im Alter aufzustocken. 

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