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Rentenpunkte: Was sind sie und was bringen sie?

|Lesezeit 5 MIN

Rentenpunkte als Grundlage der Rente 

Hast du dich schon einmal gefragt, wie sich deine Rente genau berechnet? Ein zentraler Faktor zur Bestimmung deiner Rentenhöhe sind die Rentenpunkte, auch Entgeltpunkte genannt. Der Wert bzw. die Anzahl deiner gesammelten Rentenpunkte beeinflusst maßgeblich deine Bezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Damit du dich optimal auf deinen Ruhestand vorbereiten kannst, ist es wichtig, dass du deine Rentenpunkte im Auge behältst. In diesem Artikel erfährst du, wie Rentenpunkte und die Rentenformel funktionieren und was du tun kannst, um im Alter finanziell abgesichert zu sein. 

Basiswissen zu den Rentenpunkten

Die Rentenpunkte sind vergleichsweise jung: Im Zuge des Gesundheitsreformgesetzes wurden sie 1992 als neue Werteinheit zur Berechnung der Rente eingeführt. Seitdem ist ihre Verwendung im sechsten Buch des Sozialgesetzbuches geregelt. 

Gespeichert werden deine gesammelten Rentenpunkte auf deinem Konto bei der Deutschen Rentenversicherung. Wie viele Rentenpunkte du bereits gesammelt hast, kannst du der Renteninformation entnehmen. Diese wird dir jedes Jahr im Frühjahr von der Deutschen Rentenversicherung zugeschickt – sofern du mindestens 27 Jahre alt bist und fünf Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hast.

Was ist ein Rentenpunkt wert? 

Vereinfacht gesagt repräsentiert der Wert der Rentenpunkte, wie lange du gearbeitet und wie viel du dabei verdient hast. Der Wert der Rentenpunkte spiegelt aber nicht nur die eigene Arbeitsleistung, sondern vor allem auch das Verhältnis deines Einkommens zum deutschen Durchschnittsverdienst wider. Dabei entspricht 1 Entgeltpunkt dem durchschnittlichen Verdienst in einem Kalenderjahr. Liegt dein Einkommen unter dem Durchschnitt, bekommst du nur einen anteiligen Rentenpunkt. Verdienst du dagegen mehr, erhältst du auch proportional mehr Entgeltpunkte. 

Beispiel: 

  • Die Deutschen haben im Schnitt einen Jahresverdienst von 30.000 Euro. 
  • Wer 30.000 Euro verdient, bekommt somit genau 1 Entgeltpunkt. 
  • Liegt dein Einkommen in jenem Jahr bei 15.000 Euro, also der Hälfte des Durchschnittsverdienstes, bekommst du nur 0,5 Entgeltpunkte. 
  • Verdienst du hingegen mehr – beispielsweise 45.000 Euro und damit 150 % des Durchschnitts – landen 1,5 Entgeltpunkte auf deinem Versicherungskonto. 
  • Spitzenverdiener haben allerdings nur einen geringen Vorteil: Pro Jahr können sie maximal 2,1 Entgeltpunkte erhalten.
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Wie das deutsche Durchschnittseinkommen kann sich auch der Wert der Rentenpunkte jährlich ändern. Neben dem Rentenwert gehören die Rentenpunkte damit zu den dynamischen Faktoren der Rentenformel. 

Art der Zeit

Erläuterung

Kindererziehungszeit/Mütterrente

Im Hinblick auf die Kindererziehungszeit/Mütterrente bekommst du die Rentenpunkte nicht wie sonst pro Jahr, sondern pro Kind: Ist das Kind vor 1992 geboren, bekommst du 2,5 Punkte. Für später geborenen Nachwuchs gibt es 3 Entgeltpunkte.

Ausbildung und Studium

Obwohl du nicht aktiv in die Rentenkasse einzahlst, bekommst du auch während deiner Ausbildung Rentenpunkte. Allerdings gilt dieser Abschnitt deiner Berufslaufbahn als beitragsgeminderte Zeit. Daher erhältst du Rentenpunkte, die maximal 75 % des Durchschnittsverdienstes entsprechen. Voraussetzungen: Die Ausbildung muss bis zum 25. Lebensjahr erfolgt und beitragspflichtig gewesen sein.

Schlechter sieht es aus, wenn du ein Studium absolviert hast. Für diese Zeit erhältst du keine Rentenpunkte. Die Studienzeit wird dir lediglich als Wartezeit angerechnet.

Wehrdienst und Zivildienst

Wer einen Dienst an der Gesellschaft getan hat, soll nicht benachteiligt werden. Deshalb zahlt der Staat bzw. dein Arbeitgeber deine Rentenbeiträge. Als Wehrdienstleistender bekommst du 0,6 Rentenpunkte, im Bundesfreiwilligendienst entsprechend deines Taschengeldes (maximal 402 Euro). Und hast du vor 1991 Wehr- bzw. Zivildienst geleistet, erhältst du zwischen 0,75 und 1 Entgeltpunkte (abhängig vom genauen Zeitpunkt deines Dienstes).

Arbeitslosigkeit

Selbst im Falle einer Arbeitslosigkeit erhältst du Rentenpunkte – allerdings nur, wenn du Arbeitslosengeld I beziehst. Dann zahlt die Bundesagentur für Arbeit deine Beiträge auf Grundlage von 80 % deines letzten Bruttogehalts. Wenn du Hartz 4, also Arbeitslosengeld II, bekommst, sammelst du zwar keine Rentenpunkte. Die Zeit deiner Arbeitslosigkeit wird aber immerhin auf die Wartezeit bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze angerechnet.

Rentenpunkte kaufen, dazuverdienen und abgeben

Du kannst aber Rentenpunkte auch „kaufen“, indem du freiwillig Versicherungsbeiträge nachzahlst. Außerdem sammelst du zusätzliche Rentenpunkte, wenn du Angehörige pflegst. Dabei ist es wichtig, dass du die betroffene Person mindestens zehn Stunden in der Woche (verteilt auf mindestens zwei Tage) unterstützt. Gleichzeitig darf deine berufliche Tätigkeit maximal 30 Stunden pro Woche umfassen. Für deinen Einsatz belohnt dich die Rentenversicherung und rechnet deine Pflegezeit auf deine Wartezeit an. Außerdem zahlt die Pflegekasse für dich Beiträge in die Rentenkasse ein. Die Höhe der Beiträge ist dabei abhängig von verschiedenen Faktoren wie dem Pflegegrad der betreuten Person.

Verlieren kannst du Rentenpunkte in dem Sinne übrigens nicht. Du musst jedoch einen Teil deiner Rentenpunkte an deine/n Ehepartner/in abgeben, wenn du dich scheiden lässt. Umgekehrt bekommst du beim sogenannten Versorgungsausgleich allerdings auch die Hälfte der Rentenpunkte, die er/sie während eurer Ehe gesammelt hat.

Rentenpunkte als Teil der Rentenformel

Wie eingangs bereits erwähnt, sind deine Entgeltpunkte ausschlaggebend für die Höhe deiner Rentenbezüge. Denn deine Rente berechnet sich folgendermaßen:

Rentenpunkte x Zugangsfaktor x Aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor = Monatliche Rentenhöhe 

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Neben den Renten- bzw. Entgeltpunkten besteht die Rentenformel aus diesen Faktoren:

Der Zugangsfaktor beschreibt Zu- und Abschläge. Gehst du mit Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand, beträgt dein Zugangsfaktor 1,0. Trittst du deine Rente schon früher an, bekommst du für jeden vorgezogenen Monat 0,3 % abgezogen. Umgekehrt kannst du aber auch erst später in Rente gehen und deinen Zugangsfaktor entsprechend erhöhen.

Der aktuelle Rentenwert spiegelt den Wert der Rentenpunkte in Euro wider. Er sinkt und steigt gemäß der gesamtwirtschaftlichen Lage und unterscheidet sich in den neuen und alten Bundesländern.

Der Rentenartfaktor bezeichnet die Art der Rente, die du erhältst. Neben der Altersrente (mit dem Faktor 1,0) gibt es beispielsweise noch Rente wegen teilweiser (0,5) bzw. voller Erwerbsminderung (1,0), Erziehungsrente (1,0), Vollwaisenrente (0,2), Halbwaisenrente (0,1) und Witwenrente (0,55 oder 0,6).

In deiner Renteninformation findest du nicht nur den aktuellen Stand deiner Rentenpunkte. Auch eine Vorabschätzung deiner zu erwartenden Rente ist darin enthalten. Dabei gilt natürlich: Je jünger du bist, desto mehr kannst du noch tun, um die Rentenhöhe zu deinen Gunsten zu beeinflussen.  

Rentenpunkte und Altersvorsorge

Allerdings wäre es ein Fehler, sich dabei ausschließlich auf die gesetzliche Altersvorsorge zu verlassen. Denn das deutsche Rentensystem beruht auf dem sogenannten Generationenvertrag. Das bedeutet, dass die Erwerbstätigen die Rente der vorangegangenen Generation zahlen. Das Problem: Das Verhältnis von Jung und Alt ist schon jetzt stark unausgeglichen, es gibt deutlich mehr Ruheständler als Berufstätige. Das hat zur Folge, dass die Zahlungen in die Rentenkasse nicht genügen, um die Rentenansprüche ausreichend zu decken. Zwar gleicht der Staat das Defizit in der Kasse durch Steuergelder aus, doch langfristig wird sich die Problematik voraussichtlich noch verschärfen.

Hinzu kommt, dass deine Rente immer nur einen Teilbetrag deines Lohns darstellt. Dadurch ergibt sich die Rentenlücke, der Unterschied zwischen deinem Einkommen vor dem Renteneintritt und deinen Bezügen im Ruhestand. Wie groß deine Rentenlücke ausgehend von deinen Rentenpunkten sein wird, kannst du mit unserem Rechner überprüfen.

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Private Altersvorsorge

Um den Lebensstandard, an den du dich gewöhnt hast, aufrechterhalten zu können, gilt es, die Rentenlücke zu schließen. Deshalb ist es gut, wenn du dir frühzeitig Gedanken um deine private Altersvorsorge machst. Dabei stehen dir diese Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge zur Verfügung:

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    Riester- und Rürup-Rente: Beide Modelle werden vom Staat gefördert. Während es bei der Riester-Rente sowohl steuerliche Vorteile als auch staatliche Zulagen gibt, bringt die Rürup-Rente nur Steuervorteile mit sich. Sie ist trotzdem für Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende interessant, da diese in der Regel keinen Anspruch auf Riester-Rente haben. 

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    Sofortrente: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben? Nicht mit einer Sofortrente. Bei dieser Art der Altersvorsorge zahlst du einen vergleichsweise hohen Betrag an den jeweiligen Anbieter und bekommst dann ab sofort eine Rente ausgezahlt. Die ist allerdings gerade angesichts der hohen Einzahlungssumme fast ausnahmslos niedrig.

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    Lebensversicherung: Eigentlich dient die Lebensversicherung dazu, deine Hinterbliebenen abzusichern, falls dir einmal etwas zustößt. Du kannst dir deine Lebensversicherung aber auch im Alter auszahlen lassen und sie damit wie eine Rente nutzen.

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    Klassische Rentenversicherung: Im Prinzip funktioniert die klassische Rentenversicherung wie ein großes Sparbuch – alle Versicherten zahlen darauf ein und bekommen entsprechend im Ruhestand eine Rente ausgezahlt. Allerdings hat die klassische Rentenversicherung auch dasselbe Problem wie ein Sparbuch: Wegen der aktuellen Niedrigzinsphase vermehrt sich das Geld durchs bloße Sparen nicht. Tatsächlich verliert es im Zuge der Inflation sogar deutlich an Wert.

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    Fondsgebunde Rentenversicherungen: Anders sieht es bei fondsgebundenen Rentenversicherungen aus. Bei diesen steht die effektive Vermehrung deiner Geldanlage im Vordergrund. Dazu werden deine Einzahlungen in Fonds (meist Aktienfonds, aber auch Immobilien- oder Rentenfonds sind möglich) investiert. Im Ruhestand bekommst du dann nicht nur deine Beiträge, sondern auch die erwirtschafteten Gewinne als Rente ausgezahlt. 

Rentenpunkte immer wieder kontrollieren

Ganz gleich, für welche Vorsorgestrategie und -form du dich letzten Endes entscheidest: Wichtig ist, dass du deine Rentenpunkte immer im Hinterkopf behältst und regelmäßig deine Renteninformation kontrollierst. So kannst du rechtzeitig absehen, ob deine finanzielle Sicherheit im Alter gewährleistet ist – und, wenn notwendig, Gegenmaßnahmen einleiten.

Die Überprüfung mit einem Rentenrechner oder die Beratung durch fachkundige Expertinnen und Experten zu deiner privaten Altersvorsorge kann dir dabei helfen.

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