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Formeln für die Rentenrechnung: Diese Faktoren beeinflussen deine Rente

|Lesezeit 5 MIN

Formeln zur Rentenrechnung helfen bei der Altersvorsorge

Soziale Sicherheit ist einer der Grundsätze des Sozialstaats. Neben der Krankenversicherung gehört dazu auch die gesetzliche Rentenversicherung. Die soll dafür sorgen, dass du auch im Alter einen gewissen Lebensstandard hast. 

Allerdings steht das deutsche Rentensystem vor großen Herausforderungen. Indem du deine voraussichtliche Rente berechnest, kannst du dich auf diese Schwierigkeiten einstellen und notwendige Maßnahmen einleiten. In diesem Artikel erfährst du die Formel für deine Rentenrechnung.

Das deutsche Rentensystem

Die Anfänge der gesetzlichen Rentenversicherung und des deutschen Rentensystems reichen mehr als 125 Jahren zurück: 1889 wurde das erste Gesetz verabschiedet, das eine Auszahlung einer staatlichen Altersrente vorsah. Damals zahlten Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils die Hälfte des Rentenbeitrags. Das ist bei Festanstellungen auch heute noch so, aus dem sehr niedrigen Beitragssatz von 1,7 Prozent sind aber inzwischen 18,6 Prozent geworden (letzte Anpassung: 01.01.2018).¹

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Auch geringfügig Beschäftigte – sogenannte Mini- oder 450-Euro-Jobber – sind rentenversichert. Sie müssen allerdings einen vergleichsweise geringen Anteil beisteuern, da ihr Arbeitgeber einen Beitrag von 15 Prozent zahlt. Beim aktuellen Beitragssatz müssen Mini-Jobber beispielsweise nur 3,6 Prozent übernehmen. Ihre Rentenrechnung funktioniert trotzdem mit denselben Formeln wie bei Vollzeitkräften. 

Und noch etwas Entscheidendes hat sich geändert: Seit der Rentenreform von 1957 finanzieren die Erwerbstätigen die Renten der Ruheständler. Bei diesem Umlageverfahren zahlen junge Leute in die Rentenkasse ein, aus diesen Zahlungen wiederum speisen sich die Rentenbezüge der Älteren. Deshalb spricht man in diesem Zusammenhang auch vom Generationenvertrag. Außerdem wird die Rente seitdem regelmäßig angepasst, wobei sie sich an den aktuellen Reallöhnen orientiert. So werden Rentner(innen) weiterhin am wirtschaftlichen Wachstum beteiligt. 

Die Deutsche Rentenversicherung

Ursprünglich war die staatliche Rentenzahlung nur als Zuschusszahlung geplant. Heute ist sie für viele jedoch unverzichtbar, um den Lebensunterhalt im Alter zu bestreiten. Deshalb speichert die Deutsche Rentenversicherung ein Leben lang deine beruflichen Daten und vermerkt beispielsweise, ob du arbeitslos oder in Elternzeit warst. Dabei werden auch Wehr- oder Bundesfreiwilligendienst berücksichtigt. Bedenke das später bei den Formeln für deine Rentenrechnung.

In deinem Versicherungskonto wird festgehalten, wie viele Jahre du gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt hast. Neben der Anzahl der Zahlungen bestimmt auch die Höhe der Beiträge deine spätere Altersrente. Denn je mehr du verdienst, desto mehr musst du auch einzahlen. Aber keine Sorge, es gibt eine jährlich steigende Obergrenze: 2019 betrug sie in Westdeutschland 80.400 Euro Jahresgehalt, in Ostdeutschland 73.800 Euro.² Liegt dein Einkommen darüber, bezieht sich der Beitragssatz nur auf alles unterhalb der Obergrenze.

Demografischer Wandel als Problem für das Rentensystem

Da diese Gelder jedoch an anderer Stelle fehlen, versucht die Politik seit Jahren eine Lösung für diese Problematik zu finden. Den Beitragssatz erhöhen und damit junge Leute zusätzlich zu belasten, soll vermieden werden, die Bezüge der Rentner zu kürzen ebenfalls. Eine Möglichkeit sieht die Politik darin, das Rentenalter anzuheben, doch auch dieser Weg gilt eher als Zwischenlösung. 

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Die Formel für die Rentenrechnung

Aber wie wird deine Rentenhöhe eigentlich bestimmt? Dafür gibt es eine Formel. Diese ist allerdings leider etwas komplexer, denn sie besteht aus verschiedenen Faktoren: 

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    Entgeltpunkte: Sie sind die wichtigste Größe in der Rentenrechnungs-Formel. Denn die Entgeltpunkte zeigen indirekt an, wie viel du in die Rentenkasse eingezahlt hast. Dazu wird dein Einkommen jedes Jahr dem durchschnittlichen Verdienst aller Versicherten gegenübergestellt: Entspricht dein Einkommen genau dem statistischen Durchschnitt, bekommst du einen Entgeltpunkt. Liegt dein Einkommen darunter, bekommst du den Anteil eines Entgeltpunktes (beispielsweise 0,5 Entgeltpunkte, wenn dein Einkommen der Hälfte des Durchschnittsverdienstes entspricht), liegt es darüber bekommst du ein Vielfaches – maximal gibt es allerdings 2,1 Entgeltpunkte pro Jahr.
    Du bekommst auch Entgeltpunkte für Zeiten, in denen du dich um Kinder oder Angehörige gekümmert hast. Dafür nimmt die Rentenversicherung ein hypothetisches Gehalt an. Und auch, wenn du aus den neuen Bundesländern stammst bzw. in der DDR gearbeitet hast, musst du dir keine Sorgen machen: Mit einem Umrechnungsfaktor gleicht die Rentenversicherung deine Löhne in der Formel für die Rentenrechnung auf „Westniveau“ an. Dieser wird für jedes Jahr einzeln festgelegt.

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    Zugangsfaktor: Mit dem Zugangsfaktor werden in der Formel Zu- und Abzüge (auch Zu- bzw. Abschläge genannt) bei deiner Rentenrechnung beschrieben. Gehst du „pünktlich“ in Rente, beträgt dein Zugangsfaktor 1,0. Wenn du dich dazu entschließt, früher in Rente zu gehen, bedeutet das in der Regel eine Minderung der Rentenhöhe: Für jeden Monat werden dir 0,3 Prozent abgezogen. Ziehst du deinen Ruhestand beispielsweise um zwei Jahre vor, liegt dein Zugangsfaktor bei 0,928. Gleichzeitig kannst du deinen Zugangsfaktor aber auch erhöhen, indem du trotz Erreichen des Rentenalters weiterarbeitest.    

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    Rentenartfaktor: Es gibt verschiedene Arten von Renten, die in der Formel zur Rentenrechnung alle ihren eigenen Faktor haben. Die Altersrente hat – genau wie Renten wegen voller Erwerbsminderung und Erziehungsrenten – den Wert 1,0. Außerdem gibt es noch Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (0,5), Vollwaisenrente (0,2), Halbwaisenrente (0,1) und Witwenrente (0,55 oder 0,6).

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    Aktueller Rentenwert: Entgeltpunkte entsprechen einem bestimmten Betrag in Euro, der immer wieder an die wirtschaftliche Lage angepasst wird. Das ist der aktuelle Rentenwert. Im dritten Quartal 2019 betrug er 33,05 Euro (Westdeutschland) bzw. 30,69 Euro (Ostdeutschland).³

Beispiel für die Formel zur Rentenrechnung


Um deine monatliche Rentenhöhe zu berechnen, musst du die vier Faktoren im Prinzip nur miteinander multiplizieren. Die Formel für die Rentenrechnung lautet dann:

Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor 

= Monatliche Rentenhöhe 

Deutlicher wird das bei einem Rechenbeispiel:

Person X hat ihr gesamtes Berufsleben lang so viel verdient wie der Durchschnitt. In 45 Arbeitsjahren hat sie damit 45 Entgeltpunkte gesammelt. Außerdem möchte sie ein Jahr früher in Rente gehen, wodurch sich ein Zugangsfaktor von 0,964 ergibt. Sie bekommt eine normale Altersrente (Rentenartfaktor: 1,0) und der aktuelle Rentenwert liegt bei 30 Euro

Die Rentenhöhe beläuft sich bei Person X damit auf 45 x 0,964 x 1 x 30 Euro = 1300,14 Euro

Aus dem Ergebnis der Rentenrechnung schlussfolgern

Du siehst, es gibt viele verschiedene Aspekte, die deine Altersrente beeinflussen können. Je mehr von deinem (Berufs)Leben noch vor dir liegt, desto schwerer ist es, deine tatsächliche Rente vorauszusagen und zu berechnen. Trotzdem kannst du die Formel für die Rentenrechnung auch in jungen Jahren schon benutzen: Überlege dir mögliche Szenarien für deinen Lebensverlauf und variiere die Zahlen entsprechend eines Best-Case- und eines Worst-Case-Scenarios. So bekommst du einen ungefähren Eindruck davon, wie viel du später minimal und maximal an staatlicher Rente bekommst.

Dabei hilft dir auch die Renteninformation. Diese schickt dir die gesetzliche Rentenversicherung jährlich zu, sobald du das 27. Lebensjahr erreicht hast. In der Renteninformation steht, wie hoch dein tatsächlicher Rentenanspruch zum aktuellen Zeitpunkt ist. So kannst du dich auf deinen Ruhestand vorbereiten – und überlegen, wie du zusätzlich vorsorgst. Denn auch (bzw. gerade), wenn du gut verdienst, betragen die Rentenbezüge deutlich weniger als das letzte Gehalt vor Renteneintritt. Das ist die sogenannte Rentenlücke. Damit du deinen Lebensstandard aufrechterhalten kannst, gilt es, die Lücke effektiv zu schließen.

Formen privater Altersvorsorge

Eine Möglichkeit dafür ist die private Altersvorsorge. Die wird zwar nicht vom Staat gefördert – Ausnahmen sind die Riester-Rente und die Rürup-Rente – dafür kannst du frei über die Höhe und die Dauer deiner Einzahlungen entscheiden. Und du kannst dir aussuchen, welche Art der privaten Altersvorsorge die richtige für dich ist:

  • Mit einer Lebensversicherung sicherst du deine Angehörigen für den Fall ab, dass dir etwas passiert. Du kannst dir die Lebensversicherung aber auch als Einmalzahlung auszahlen lassen oder einen monatlichen Betrag als Rente in Anspruch nehmen. Das geht so lange, bis das angesparte Vermögen aufgebraucht ist. Wohingegen die Auszahlung bei einer Rentenversicherung lebenslang erfolgt, auch nachdem das Sparvermögen aufgebraucht ist.
  • Bei einer klassischen Rentenversicherung zahlen alle Versicherten in einen Topf ein, aus dem im Ruhestand ihre Privatrente finanziert wird. Der Nachteil: Wie auch die meisten Lebensversicherungen basieren klassische Rentenversicherungen auf bloßem Sparen. Und wegen der aktuellen Niedrigzinsen verliert das Gesparte an Wert, statt sich zu vermehren.
  • Wer sich zu spät um seine Altersvorsorge kümmert, kann eine Sofortrente abschließen. Dabei zahlst du eine große Summe an einen Versicherungsanbieter und bekommst dann ab dann eine (relativ geringe) Rente ausgezahlt.
  • Fondsgebundene Rentenversicherungen bieten die vielversprechendsten Aussichten: Hier werden deine Beiträge in Fonds investiert, so dass sie sich effektiv vermehren können. Das Kapital plus Gewinne bekommst du dann im Alter als regelmäßige Rente ausgezahlt – und zwar steuerlich bevorteilt. 

Rentenrechnungs-Formeln für die private Altersvorsorge

Auch bei der privaten Altersvorsorge gibt es verschiedene Formeln für die Rentenrechnung. Diese alle hier zu erklären, würde allerdings den Rahmen sprengen. Du wirst dabei jedoch immer wieder auf dieselben Fachausdrücke stoßen:

  • Rentenbarwert: Damit ist der Wert gemeint, den deine Kapitalanlagen zu Beginn deiner Investition haben – also bevor der Zinssatz hinzukommt.
  • Endwert: Mit der Zeit wird deine Investition verzinst und dein Geld vermehrt sich. Rechnest du den Barwert mit dem Zinssatz zusammen, erhältst du den Rentenendwert.
  • Aufzinsungsfaktor: Wenn der Barwert einen Startpunkt und der Endwert einen Schlusspunkt markiert, ist die Aufzinsung so etwas wie der Weg dazwischen. Der Aufzinsungsfaktor setzt sich zusammen aus dem Zinssatz und der Laufzeit deiner Investition.
  • Vorschüssig und nachschüssig: Eine Rente kann entweder am Anfang eines bestimmten Zeitraums (also als Vorschuss) oder zum Ende (als Nachschuss) gezahlt werden. Die staatliche Rente kommt beispielsweise immer am Ende eines Monats aufs Konto und gilt damit als nachschüssige Zahlung. Vorschüssig und nachschüssig beziehen sich auch auf die Sparraten, die eingezahlt werden. Dabei kann es am Ende für die gesamte Sparsumme einen Unterschied machen, ob vorschüssig (Monatsanfang) oder nachschüssig (Monatsende) eingezahlt wurde. Denn die nachschüssigen Sparraten werden erst im Folgemonat verzinst, während die vorschüssigen Sparraten schon im vorherigen Monat verzinst werden können. 

Altersvorsorge frühzeitig vorbereiten

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Mithilfe der Formel für die Rentenrechnung oder deiner Renteninformation kannst du herausfinden, wie groß deine Rentenlücke voraussichtlich sein wird. Oder du nutzt unseren Renten-Rechner und gehst einen wichtigen Schritt in Richtung privater Altersvorsorge. 

Rentenlücke berechnen
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