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Teilzeitfalle – bin ich betroffen?

|Lesezeit 3 MIN

Wer ist von der Teilzeitfalle betroffen und was kann ich tun?

Gerade bei Frauen und besonders bei Müttern oder Alleinerziehenden kann es passieren, dass diese in die sogenannte Teilzeitfalle geraten. Insbesondere wenn sie aus verschiedenen Gründen nicht mehr in Vollzeit arbeiten. Doch was genau ist die Teilzeitfalle? Und sind nur Frauen und hierbei besonders Mütter betroffen? Dieser Artikel soll über die Teilzeitfalle aufklären, wer betroffen ist und was Frau oder Mann als Betroffene tun können.

Was ist die Teilzeitfalle? Sind Frauen besonders betroffen? 

Die Renteninformation ist noch keine zwanzig Jahre alt: Seit 2002 verschickt die Deutsche Rentenversicherung sie jedes Frühjahr an ihre Versicherten. Genau genommen an jene, die mindestens 27 Jahre alt sind und schon fünf Jahre in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt haben. So lässt sich ungefähr absehen, mit welchen Leistungen du von Seiten des Staats im Alter rechnen kannst.

Der Begriff Teilzeitfalle ist ein informeller Begriff. Er beschreibt das fehlende Recht einer Arbeitnehmerin oder eines Arbeitnehmers auf die Rückkehr in eine Vollzeitanstellung.

Aus verschiedenen Gründen kann es passieren, dass eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer aus einer Vollzeitstelle ausscheidet oder die Arbeitszeit reduziert. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Ein häufiger Grund kann die Geburt des eigenen Kindes sein (Elternzeit). Aber auch die Pflege von Angehörigen, Krankheiten oder der Jobverlust durch Kündigung können mögliche Gründe darstellen.

Neben der Reduzierung der Arbeitszeit bieten manche Arbeitgeber außerdem die Möglichkeit einer Freistellung der Erwerbstätigkeit (unbezahlter Urlaub) auf bestimmte Zeit an.

Eine andere mögliche Variante ist, dass die Betroffene oder der Betroffene schon eine Weile in Teilzeit arbeitet und nun aufgrund wiedergewonnener zeitlicher Kapazitäten gerne Arbeitszeit aufstocken möchte (z. B. wenn die eigenen Kinder schließlich erwachsen sind).

Frauen, Mütter und Alleinerziehende können von der Teilzeitfalle besonders betroffen sein. Aufgrund möglicher Gehaltsunterschiede ist es möglich, dass Frauen häufiger in Elternzeit gehen. Dies kann zum Beispiel dadurch begründet sein, dass ein Großteil der Mütter zuvor nicht in einem Vollzeitjob gearbeitet hat.² Es zeigt sich jedoch auch, dass Männer genauso betroffen sein können. Als alleinerziehender Vater ist die Arbeit in Vollzeit aufgrund von Kindererziehung oftmals ebenso nicht realisierbar.

Als Folge der Teilzeitfalle kann Altersarmut drohen. Denn Beschäftigte in Teilzeitarbeit zahlen grundsätzlich weniger Sozialbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein als Vollzeitbeschäftigte. Durch die geringen Beiträge droht später eine deutlich niedrigere Rente. Diese könnte unter Umständen nicht ausreichen, um die Lebenshaltungskosten im Rentenalter zu decken.

Hier findest du nochmal die wichtigsten Keyfacts zur Teilzeitfalle aus diesem Abschnitt:

  • Teilzeitfalle ist das fehlende Recht auf Rückkehr zu einer Vollzeitstelle
  • Frauen, Mütter und Alleinerziehende können besonders betroffen sein – jedoch kann es auch Männer treffen
  • Durch Arbeit in Teilzeit werden zumeist geringere Beiträge in die gesetzliche Rentensicherung eingezahlt
  • Als Folge kann Altersarmut drohen

Vor- und Nachteile der Teilzeitarbeit 

Teilzeitarbeit muss jedoch nicht grundsätzlich negativ besetzt sein. Mögliche Vorteile und Nachteile der Arbeit in Teilzeit sind nachfolgend dargestellt. 

Das sind mögliche Vorteile der Teilzeitarbeit:

  • Geringere Arbeitszeit als 40 Stunden pro Woche – Und dadurch mehr Zeit für andere Dinge, unter anderem Erziehung der Kinder oder Weiterbildung
  • Verminderte Erwerbstätigkeit ermöglicht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  • Für Unternehmen eine größere Flexibilität beim Personaleinsatz

Das sind mögliche Nachteile der Teilzeitarbeit:

  • Risiko in die Teilzeitfalle zu geraten
  • Geringeres Arbeitseinkommen als in Vollzeit
  • Risiko des Karriereknicks – Beschäftigte in Vollzeit werden bei Beförderungen oft bevorzugt
  • Geringe Beiträge in die gesetzliche Rente – dadurch kann die zukünftige Rente deutlich geringer ausfallen
  • Risiko von Altersarmut bei fehlender Altersvorsorge

Teilzeitarbeit bringt mitunter einige Nachteile mit sich. Was du zur Vermeidung dieser Nachteile tun kannst, erfährst du in unserem Ratgeber zum Thema Altersvorsorge Möglichkeiten. Unser Rentenrechner kann dir ebenfalls Aufschluss zu deiner aktuellen Lage bieten.

Arbeit in Teilzeit: Was sind die wichtigsten Rechte und Pflichten? 

Bei der Arbeit in Teilzeit gibt es einige Rechte und Pflichten zu beachten. Eine Auswahl der wichtigsten Rechte und Pflichten findest du nachfolgend übersichtlich zusammengefasst:

  • In Deutschland hat der Arbeitgeber jedem Arbeitnehmer Teilzeitarbeit zu ermöglichen (§ 6 TzBfG)
  • Dieser Anspruch besteht jedoch erst, wenn der Arbeitgeber mindestens 15 Beschäftigte hat (§ 8 Abs. 7 TzBfG)
  • Seit Beginn des Jahres (2019) haben Teilzeitbeschäftigte in Deutschland ein Recht auf Rückkehr in Vollzeit, das sogenannte „Rückkehrrecht“, sofern der Arbeitgeber entsprechende Vollzeitstellen besetzen kann (§ 9 TzBfG)
  • Teilzeitbeschäftigte haben Anspruch auf Urlaub. Die Anzahl der Urlaubstage wird in der Regel anteilig berechnet. Als Grundlage dient die Anzahl der Urlaubstage, die einem Arbeitnehmer in Vollzeit im jeweiligen Unternehmen zustünden
  • Es bestehen Ansprüche auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Dies ist unter anderem im Teilzeit- und Befristungsgesetz geregelt.
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Bei der Ausübung dieser Rechte unterliegst du als Arbeitnehmer jedoch der gesetzlichen Pflicht, deine Ansprüche in Textform und innerhalb bestimmter Fristen anzugeben. Zudem kann der Arbeitgeber Teilzeitarbeit aus wichtigen betrieblichen Gründen ablehnen (vgl. u.a. § 8 Abs. 4 TzBfG). Dies muss jedoch sorgfältig begründet werden. Für weitere Details bei Fragen oder Wünschen zum Thema Teilzeitarbeit kann unter anderem ein Gespräch mit der Personalabteilung oder passenden Beratungsstellen (zum Beispiel über die Gewerkschaft) sinnvoll sein.

Von der Teilzeit zurück in die Vollzeit? Diese Rechte hast du als Arbeitnehmer 

Einen Anspruch auf eine befristete Arbeit in Teilzeit, auch "Brückenteilzeit" genannt, gewährt der deutsche Gesetzgeber nur in Unternehmen mit mehr als 45 Arbeitnehmern (§ 9a TzBfG). Brückenteilzeit ist für Praktikanten und Azubis nicht abbildbar (§ 8 Abs. 7 TzBfG). Wie im vorherigen Abschnitt erwähnt, kann es auch Einschränkungen geben. Du hast jedoch die Möglichkeit, aktiv etwas für deine Altersvorsorge zu tun, um der Teilzeitfalle zu entkommen.

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Tipps und Tricks gegen die Teilzeitfalle – Was kann ich tun? 

Nachfolgend haben wir für dich Tipps und Tricks zusammengestellt, um den Nachteilen der Teilzeitfalle zu entgehen. Folgendes kannst du tun:

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    Kenne deine Rechte und Pflichten als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer – für Detailfragen kannst du dich an rechtliche Beratungsstellen (zum Beispiel über Gewerkschaften) oder die Personalabteilung wenden.

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    Berücksichtige bei der Planung deiner Karriere auch, in welchen Lebensabschnitten du in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten möchtest. Ein Start ins Berufsleben in Vollzeit könnte zum Beispiel vorteilhafter sein, um nicht von Beginn an in die Teilzeitfalle zu geraten.

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    Bietet dir dein Arbeitgeber keine Vollzeitstelle an, so kannst du auch einen Jobwechsel in Betracht ziehen. Gut möglich, dass andere Unternehmen Vollzeitstellen in deinem Berufsfeld anbieten.

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    Kümmere dich aktiv um deine Altersvorsorge – Sorgst du vor, bist du im Idealfall nicht auf das Einkommen einer Vollzeitstelle angewiesen und kannst eine eventuell geringere gesetzliche Rente problemfrei ausgleichen. Zudem gibt es im Rahmen der Altersvorsorge zahlreiche Möglichkeiten, die unter anderem auch staatlich gefördert werden.

¹ https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-09/statistisches-bundesamt-arbeit-in-teilzeit-muetter-vaeter-familienform , aufgerufen am 09.10.2019)

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